Reise in die Vergangenheit – Kreuzfahrten früher und heute

von Daniela @ kreuzfahrt.de

Eine Broschüre der Deutschen Atlantik Linie
Kreuzfahrten, ebenso wie die Werbung für Kreuzfahrten, haben sich in der Geschichte sehr verändert

Wie so vieles auf dieser Welt, ist auch die Kreuzfahrt eher aus einem Zufall bzw. aus der Not heraus entstanden. Die Augusta Victoria, die als erstes reines Kreuzfahrtschiff auf große Meeresreise ging, war zunächst einmal als übliches Handels- und Linienschiff zwischen Hamburg und New York für die deutsche Reederei Hapag-Lloyd unterwegs. In rauen Wintern konnte die transatlantische Überfahrt jedoch schon mal recht gefährlich werden. Da viele Leute eine solch unsichere Seereise nicht antreten wollten, wurde der Betrieb in den Wintermonaten eingestellt – ein herber Verlust für die Reederei. Um die Einnahmen durch den Schiffsbetrieb nicht komplett über Bord werfen zu müssen, hatte der junge Geschäftsführer von Hapag-Lloyd, Albert Ballin, eine unkonventionelle Idee: Er wollte die Augusta Victoria zum reinen Reisevergnügen auf eine Fahrt ins wärmere Gewässer schicken, um die Einbußen des Winters zu überbrücken. Die älteren Herrschaften bei Hapag-Lloyd reagierten erst einmal mit großer Skepsis auf Ballins „Schnapsidee“ – und doch ließen sie es auf einen Versuch ankommen …

 

Der Beginn einer großen Reise – die erste Reise mit der Augusta Victoria

Die Augusta Victoria wurde von Kaiser Wilhelm verabschiedet
Das Offiziercorps vor der Augusta Victoria

Somit konnte die Augusta Victoria von Hapag-Lloyd am 22. Januar 1891 zu ihrer ersten reinen Kreuzfahrt starten, die sogar von niemand Geringerem als Kaiser Wilhelm verabschiedet wurde. Zunächst einmal wurde die neuartige Seereise unter Leitung von Kapitän Heinrich Barends jedoch nicht als Kreuzfahrt, sondern als Exkursion ausgeschrieben, deren Route die 241 Passagiere von Cuxhaven zu fernen und damals noch fremden Orten wie Alexandria, Beirut und Konstantinopel entführen sollte. Doch eine solch exklusive Fahrt konnte sich damals längst nicht jeder leisten, denn der Preis dieser Kreuzfahrt betrug 1600 – 2400 Goldmark – eine Summe, die heutzutage ungefähr 15.000 – 22.000 € entspricht. Für die Arbeiterschicht war an eine Reise mit der Augusta Victoria also nicht zu denken, sie war ausschließlich gut betuchten Leuten wie Bankiers, Konsuln, Kommerzienräten sowie Rittergutsbesitzern vorbehalten.

 

Aller Anfang ist schwer …

Nachdem das Schiff in Cuxhaven in See gestochen war, wollte aufgrund des schlechten Wetters und der unruhigen See zunächst einmal keine richtige Urlaubsstimmung bei den exklusiven Schiffsgästen aufkommen. Doch schon kurz vor Gibraltar wurde das Meer wieder etwas ruhiger und die Stimmung auf der Augusta Victoria hob sich merklich. Die Reise war für alle, die auf dem Schiff unterwegs waren, eine nie dagewesene, ganz besondere Erfahrung. In fremden Häfen im fernen Orient wurden die Passagiere ebenso wie die Crew von Salutschüssen und in Konstantinopel sogar vom Sultan begrüßt. So etwas Außergewöhnliches hat es vorher noch gegeben. Auf vielfältigen Landausflügen bekamen auch die Gäste aus dem Kaiserreich einiges geboten. Vier Passagiere jedoch, hätten ihren Ausflug ins libanesische Landesinnere fast mit dem Leben bezahlt, denn sie waren in einen schweren Schneesturm geraten. Ballin, der stets einen kühlen Kopf bewahrte, konnte seine Gäste aber glücklicherweise durch einheimische Maultiertreiber retten lassen.

 

Tradition, Etikette und gute Unterhaltung: die typische Kreuzfahrt früher

Das edle Damenzimmer auf der Augusta Victoria
Das Damenzimmer der Augusta Victoria

Dank des Reportagezeichners Christian Wilhelm Allers gab es an Bord sogar schon eine Bordzeitung – etwas, dass bis heute auf sehr vielen Kreuzfahrtlinern zur Standard-Bordunterhaltung gehört. Ballin legte weiterhin viel Wert darauf, dass täglich frische Blumenbouquets auf den Tischen standen und die Passagiere mit exquisiten Gerichten verwöhnt wurden. Traditionen, die Hapag-Lloyd auch bei ihrem zweiten Schiff, der Prinzessin Victoria Luise, die im Jahr 1901 die allererste Karibikkreuzfahrt antrat, weiter fortgeführt wurden. Natürlich gab es auf den Kreuzfahrten früher auch noch weitere feste Bräuche, Institutionen sowie eine bestimmte Etikette, die uns heute an Filmklassiker wie Titanic zurückdenken lassen: den Fünf-Uhr-Tee, Galaabende, eine feste Kleiderordnung mit mehrmaligem Umziehen, Flanieren auf Decks und in den Salons, Shuffle-Board-Spiele sowie das Kapitäns-Dinner. Zu der Kleiderordnung gehörte beispielsweise die Tradition, dass sich Herren auf Kreuzfahrten ab fünf Tagen oder länger mit jedem Tag dunkler kleideten, sodass sie am letzten Tag in einem schwarzem Anzug an Deck erschienen. Dies sollte ihre Trauer darüber zum Ausdruck bringen, dass ihre wunderbare Reise nun vorüber war.

In den ersten Kreuzfahrtjahren waren überwiegend ältere, wohlhabende Damen auf den luxuriösen Schiffen unterwegs. Auf Seereisen hatten sie die Möglichkeit, viele verschiedene Orte zu sehen und kennenzulernen, ohne ständig ihre Unterkunft wechseln zu müssen. Neben dem Komfort, nicht ständig ihre Koffer ein- und wieder auspacken zu müssen, war eine Kreuzfahrt auch die perfekte Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen und Gleichgesinnte zu treffen. Und da die Frauen oft alleinstehend waren oder ohne ihre Gatten verreisten, hat die Reederei dementsprechend mehr männliches Personal engagiert – darunter Unterhalter, Tänzer und Kellner. Schließlich sollte ja keine Langeweile aufkommen.

 

Kreuzfahrturlaub im Nationalsozialismus

Im Kaiserreich und während der Weimarer Republik waren Kreuzfahrten besonders für die Arbeiterklasse schier unerreichbar. Im Dritten Reich jedoch, wurden Schiffsreisen als Propaganda-Mittel eingesetzt – ein paar wenige Leute, die sehr gute Arbeit leisteten, wurden mit einer von der DAF, der Deutschen Arbeitsfront, organisierten Reise belohnt. In den Jahren zwischen 1934 und 1939 waren insgesamt zwölf Schiffe für die Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF) im Dienst. Wer jedoch glaubt, dass diese Kreuzfahrten komfortabel waren, der irrt gewaltig – die Ausstattung der Schiffe war eher unbequem und karg. Die Schiffe des Nazi-Regimes hielten außerdem längst nicht an allen erdenklichen Häfen – bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges liefen die Schiffe der Gemeinschaft KdF - wenig verwunderlich - nur Häfen anderer faschistischer Regimes an.

 

Entwicklung der Kreuzfahrten in der Nachkriegszeit

Kreuzfahrtvergnügen in Westdeutschland

Eine Decksübersicht der Deutschen Atlantik Linie
Beispielbilder einer Kabine der TS Hanseatic

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat es einige Zeit gedauert, bis wieder erste Kreuzfahrtreisen angeboten wurden. Erst nach beinahe 15 Jahren, im Jahre 1958, ist die Ariadne als erstes Nachkriegskreuzfahrtschiff auf eine Mittelmeerreise gegangen. Besonders in den 60er und 70 er Jahren richteten die Kreuzfahrtreedereien ihre Schiffe immer mehr auf Spaß und Unterhaltung aus. Kreuzfahrten wurden nun nach und nach auch für den Mittelstand erschwinglich. Die Reedereien entwickelten immer neue Routen mit spannenden Landausflügen, sorgten aber auch an Seetagen mit kulinarischen Genüssen, Bordspielen, Sportprogramm, Musikshows, Diskotheken, Cocktailabenden und Theateraufführungen für ein kurzweiliges, aber auch erholsames Programm. Die 80er Kreuzfahrtjahre waren davon geprägt, dass zahlreiche neue Zielgebiete für die Passagierschifffahrt erschlossen wurden. Leidenschaftliche Kreuzfahrer, aber auch Seereise-Neulinge, konnten nun endlich auch ferne Sehnsuchtsziele in Regionen  wie der Arktis, der Antarktis, dem Amazonas, dem Orinoco und der Nordwestpassage rund um Kanada von Grönland bis Alaska für sich entdecken.

 

Kreuzfahrten in der DDR

In der DDR ging es mit der MS Völkerfreundschaft mehrmals nach Kuba
Kuba war ein beliebtes Kreuzfahrtziel der DDR

Kaum zu glauben, aber wahr: Auch in der DDR gab es Kreuzfahrten – und zwar vornehmlich nach Kuba, ins sozialistische Bruderland. Das Schiff, mit dem die Kreuzfahrten während des Kalten Krieges durchgeführt wurden, nannte sich MS Völkerfreundschaft. Die Kapazitäten des Einklassenschiffs wurden jedoch oft nicht gänzlich genutzt und so wurde es oft nach Westdeutschland verchartert. Doch eine Kuba-Kreuzfahrt war auch in der DDR nicht jedem vergönnt – Kreuzfahrten waren hauptsächlich treuen Parteimitgliedern vorbehalten, die meist von ihrem Betrieb vorgeschlagen wurden. Letztendlich ist es auch zweifelhaft, ob eine Kreuzfahrt im Sozialismus sonderlich angenehm und erholsam war. Denn die Passagiere standen wegen der permanenten Fluchtgefahr unter ständiger und strenger Beobachtung.

 

Erst die Wende, dann der Boom

Retro-Style: eine Menükarte von 1973
Eine Menükarte der Deutschen Atlantik Linie

Eine sprichwörtliche Wende in der Kreuzfahrtbranche läutete Mitte der 90er Jahre die Reederei AIDA Cruises mit der Einführung ihres ersten „Clubschiffes“ ein. Das Konzept der Kussmundflotte folgte von Beginn an den Konzepten amerikanischer Kreuzfahrtreedereien, die ihren Passagieren einen Cluburlaub auf den Weltmeeren ermöglichten. Die Idee, den Schiffsgästen von Entertainment über sämtliche Sport- und Freizeitaktivitäten, Wellness, Kulinarik, Ausflügen und Animation bis hin zum Partyurlaub alles auf einem Schiff zu bieten, hat die Kreuzfahrtwelt revolutioniert. Besonders in den 2000er Jahren sind viele neue Kreuzfahrtunternehmen entstanden und bauen ihre Flotten bis heute ständig weiter aus.

 

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