Spielverderber Seekrankheit – Was tun, wenn die Übelkeit droht?

von Daniela @ kreuzfahrt.de

Wie die Seekrankheit entsteht, wie man der Übelkeit vorbeugt und was hilft, wenn es schon zu spät ist.

Wenn das Schiff schwankt, werden viele Menschen seekrank
Im Falle einer Seekrankheit schauen viele Passagiere einmal über die Reling

Wer kennt es nicht? Die Reise oder Fahrt mit dem Schiff ist schon lange geplant und die Vorfreude steigt mit jeder Minute. Ist der Tag des Reisebeginns endlich ran, macht nicht nur das Wetter was es will, sondern auch der Wellengang des Meeres spielt verrückt. Bei solchen Bedingungen sind die Folgen bei vielen Kreuzfahrern vorprogrammiert: Seekrankheit und Übelkeit. Wie Du mit Symptomen wie Schwindel, Erbrechen und Unwohlsein umgehst und wie Du es vermeiden kannst, überhaupt erst seekrank zu werden, erfährst Du in unserem Ratgeber.

 

Wie entsteht Seekrankheit?

Die klassische Seekrankheit, die oft mit denselben Symptomen einhergeht wie eine normale Reisekrankheit, zählt zu den Kinetosen, den sogenannten Bewegungskrankheiten. Das Unwohlsein infolge eines unruhigen Seegangs entsteht durch ein „Sensory Mismatch“. Eine solche sensorische Diskrepanz entsteht, wenn das Gehirn widersprüchliche Informationen oder Reize wahrnimmt. Das geschieht beispielsweise dann, wenn Du Dich in Deiner Schiffskabine oder einer –Bar – also einem starren Raum – aufhältst und dabei die Schaukelbewegungen des Schiffes spürst. In dieser Situation kommt es zu einer Unstimmigkeit im Gehirn, denn die Gleichgewichtsorgane melden etwas anderes verglichen zu dem, was die Augen sehen. Experten vermuten, dass dann durch eine vermehrte Ausschüttung von Histaminen zu Schwindelgefühlen und Unwohlsein kommt.

Jedoch reagiert nicht jeder Mensch gleich auf die mehr oder minder starken Bewegungen von Gewässern. Ob Du anfällig für eine Seekrankheit bist, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Die meisten Menschen haben auf großen Kreuzfahrtschiffen deutlich weniger Probleme mit Übelkeit, da die meisten Schiffe sowohl eher in ruhigen Gewässern und zu den passenden Jahreszeiten unterwegs sind als auch stärkeren Wellengang, dank Stabilisatoren, besser ausgleichen können.  

 

Welche Symptome treten bei einer Seekrankheit auf?

Schiffsärzte können bei Seekrankheit helfen
Bei starken Symptomen hilft der Schiffsarzt

Eine See- bzw. Reisekrankheit kann sich in verschiedenen Beschwerden äußern. Meistens beginnt eine Kinetose jedoch schon mit relativ harmlosem Gähnen und Müdigkeitserscheinungen. Sobald sich der Verlauf der Krankheit verschlechtert, kommt es zu einem Druckgefühl im Kopf sowie im Magen, weiterhin auch zu Blässe, Aufstoßen, Unwohlsein und Schwäche bis hin zu starken Symptomen wie Schweißausbrüchen, Übelkeit und Erbrechen. Ebenso wie manche Menschen anfälliger für eine Seekrankheit sind, können auch die Symptome von Passagier zu Passagier variieren. Wenn die Krankheitserscheinungen über ein noch erträgliches Maß an Unwohlsein hinausgehen, solltest Du in jedem Falle den Schiffsarzt aufsuchen.

 

Wie beuge ich einer Seekrankheit vor?

Balkonkabinen können vor einer Seekrankheit schützen
Balkonkabinen schützen vor einem "Sensory Mismatch"

Besonders, wenn man weiß, dass man anfällig für eine Reisekrankheit ist, kann man durchaus gewisse Vorkehrungen treffen, um unangenehme Symptome wie Erbrechen und Schwindel im Kreuzfahrturlaub zu vermeiden. Zunächst einmal gibt es ein einfache Tipps, die man beachten kann, ohne gleich auf Medikamente zurückgreifen zu müssen. Maßnahmen, um eine eventuelle Seekrankheit zu vermeiden, sollten bereits beim Buchen der Kreuzfahrt ergriffen werden. Wer schon einmal auf einem größeren Schiff unterwegs war, der weiß, dass in der Mitte des Schiffes am wenigsten Seegang zu spüren ist. Bei der Auswahl der Kabine sollte also darauf geachtet werden, dass diese möglichst in der Schiffsmitte liegt und weiterhin zumindest mit einem Fenster ausgestattet ist. Zwar garantieren weder eine Außen- noch eine Balkonkabine eine Reise frei von Übelkeit, allerdings ist es von Vorteil, wenn der Körper die Schwankungen nicht nur spürt, sondern auch sieht.

Bei allzu starkem Seegang ist es grundsätzlich von Vorteil, wenn Du Dich eher in der Mitte des Schiffs, möglichst sogar an Deck, aufhältst. Dabei solltest Du Deinen Blick, wenn auch nicht allzu starr, auf den Horizont richten, sodass Deine Augen einen festen Bezugspunkt haben. Ein weiterer Tipp, den Du beherzigen solltest ist, den Reisetag möglichst ausgeschlafen zu beginnen, denn wer übermüdet und matt in den Tag startet, wird auch auf starke Schiffsbewegungen eher reagieren. Neben dem Ausschlafen ist es außerdem ratsam, an rauen Seetagen auf alkoholische Getränke und das Rauchen zu verzichten, denn statt Dich abzulenken, werden Alkohol und Nikotin Deine Beschwerden nur noch verschlimmern. Ähnlich wie beim Autofahren sollte auch das Lieblingsbuch erst einmal auf dem Nachttisch oder in der Tasche verweilen, denn auch beim konzentrierten Lesen kann das Gehirn die Schwankungen nicht gut verarbeiten.

Gerade, wenn Du schon öfter seekrank warst oder auch zum ersten Mal mit dem Schiff verreist und Angst davor hast, auf Deiner Reise an schlimmem Unwohlsein zu leiden, solltest Du Deine Kreuzfahrt in jedem Fall ruhig angehen lassen! Mach Dich möglichst nicht schon vor Deiner Reise wegen Eventualitäten verrückt und freue Dich auf die Erlebnisse, die auf Dich warten. Du wirst sehen – wenn Du weniger Gedanken an eine Seekrankheit verschwendest, wird sie Dich auch nicht so schnell heimsuchen. Überleg Dir im besten Fall auch schon vor Deiner Buchung genau, ob Deine Wunschreiseroute auch in einem ruhigen Kreuzfahrtgebiet liegt. Eine sommerliche Karibikreise wird aller Voraussicht nach ruhiger verlaufen, als eine Antarktis-Expedition.

Sollte schon im Voraus starker Wellengang vorhergesagt sein, kann es unter Umständen ratsam sein, der Seekrankheit mit Medikamenten oder anderen Maßnahmen vorzubeugen. Zunächst einmal gibt es einige sanfte Methoden, um das Unwohlsein auf einer Reise zu vermeiden. Bewährte Mittel gegen Übelkeit sind beispielsweise Akupressur sowie Akupunktur. So gibt es zum einen die sogenannten Seabands – sie werden um das Handgelenk getragen und üben dort leichten Druck auf einen bestimmten Akupressur-Punkt aus. Zum anderen gibt es weiterhin die Möglichkeit, sich vor der Abreise eine Dauernadel auf einen bestimmten Akupunkturpunkt setzen zu lassen. Diese bleibt ein paar Tage an derselben Stelle und wird meist mit einem Magneten stimuliert, bevor sie schließlich wieder abgestoßen wird.

 

Bei Reisekrankheit kann Ingwer helfen
Ingwerwurzel kann einer Seekrankheit vorbeugen

Neben diesen alternativen Behandlungsmethoden gibt es auch pflanzliche Mittel, die einer Seekrankheit vorbeugen können. So wird zum Beispiel der scharfen Ingwerwurzel sowie Zitrusfrüchten nachgesagt, gegen Übelkeit zu helfen. Beide Lebensmittel besitzen eine ähnliche Wirkung wie Antihistaminika – sie bauen Histamine im Körper ab. Neben diesen Hausmitteln gibt es auch homöopathische Globuli, die bei Symptomen der Seekrankheit helfen können, zum Beispiel: Cocculus, Petroleum Rectificatum, Calcium Carbonicum Hahnemanni, Nux Vomica und Tabacum. Welche Arzneien dabei für Dich infrage kommen, solltest Du allerdings vor Deiner Reise mit Deinem Hausarzt besprechen.

Wenn Du schon häufig unter einer Seekrankheit gelitten hast, kann es natürlich auch Sinn machen, mit speziellen Mitteln wie Diphenhydramin oder Dimenhydrinat, meist in Form von Kaugummis oder Tabletten, vorzubeugen. Diese können jedoch sehr müde machen – somit bringen sie dann zwar den erhofften Effekt, bringen aber auch die nächste Beeinträchtigung mit sich. Bei Fällen von sehr starken Beschwerden wie häufigem Erbrechen und Schwindelanfällen wird seltener auch mit Medikamenten wie Scopolamin oder Promethazin Abhilfe geschaffen. Unterschätzen solltest Du diese Arzneimittel allerdings nicht, denn Nebenwirkungen wie Halluzinationen, Sprechstörungen und Unruhe können die Folge einer Einnahme sein.

 

Leicht Kost oder lieber ganz verzichten: Was essen bei Seekrankheit?

Alkohol kann die Reisekrankheit verschlimmern
Wer seekrank ist, sollte auf Alkohol verzichten

Ist die See unruhig, können auch Kreuzfahrtschiffe schon mal ordentlich ins Schaukeln kommen und spätestens dann wird vielen Passagieren speiübel, teilweise bis es zum Brechreiz kommt. Für viele liegt es da nahe, vor unruhigem Seegang lieber nichts zu essen. Durchaus ist der Magen dann zwar leer, doch gerade ein leerer Magen kann das Gefühl von Übelkeit noch verstärken. Sinnvoller ist es, weder mit einem allzu vollen noch mit einem leeren Magen in Tage mit stärkerem Seegang zu starten. Als optimale Verpflegung für Passagiere, die oft an Seekrankheit leiden, gelten daher eher kleine, leichte Mahlzeiten, die wenig Fett enthalten.

Da eine Reisekrankheit mit einem erhöhten Histaminspiegel einhergeht, sollten Betroffene außerdem darauf achten, histaminreiche Lebensmittel wie Hartkäse, Alkohol, geräucherte Fleischprodukte, Eingelegtes, Bohnen, Hülsenfrüchte und Schwarztee zu meiden. Empfehlenswerte histaminarme Lebensmittel sind beispielsweise junger Käse, frischer Fisch sowie frisches Fleisch, frisches Gemüse, Reis, Dinkel, Hafer und Kräutertee.

 

Wenn es schon zu spät ist: Seekrankheit – Was hilft?

Manchmal erwischt es Passagiere auch völlig unvorbereitet – so hat es leider schon einige eingefleischte Kreuzfahrer gegeben, die urplötzlich und ebenso unerwartet an der Seekrankheit litten. Sobald Du während Deiner Reise von Müdigkeit, vermehrtem Gähnen und Unwohlsein geplagt wirst, solltest Du möglichst schnell reagieren und Dich gegen die Symptome zur Wehr setzen. Spielt das Wetter draußen nicht allzu sehr verrückt, lohnt sich zu allererst einmal der Weg an die frische Luft – dort solltest Du möglichst einen festen Punkt am Horizont fixieren, um Deinem Gehirn die Chance zu geben, die Schwankungen des Schiffs mit dem Gesehenen abzugleichen.

 

Globuli sind Arzeimittel auf pflanzlicher Basis
Auch Globuli können seekranken Menschen helfen

Große Abhilfe kann es ebenso schaffen, sich bei den ersten Anzeichen einer Reisekrankheit schlafen zu legen. Das kann zum einen helfen, da während des Schlafes das Gleichgewicht nicht gestört wird; zum anderen, da der Histaminspiegel, der in engem Zusammenhang mit seebedingter Übelkeit steht, sinkt. Bei leichteren Beschwerden gilt, ähnlich wie bei der Vorbeugung auch, dass pflanzliche Mittel sowie Akupressur und Akupunktur oft eine schnelle Erleichterung bringen können. In besonders heftigen Fällen einer Seekrankheit, die mit Symptomen wie Erbrechen und Schwindel einhergehen, solltest Du unbedingt den Schiffsarzt aufsuchen – letztendlich kann nur er mögliche Risiken oder andere Erkrankungen ausschließen und Dir gegebenenfalls die passenden Medikamente verschreiben.

 

Wie lange dauert eine Seekrankheit in der Regel?

Zum Trost aller Übelkeitsgebeutelten dauert eine Seekrankheit in den meisten Fällen nicht länger als zwei bis drei Tage – diesen Zeitraum braucht der menschliche Körper im Schnitt, um sich an die Ausnahmesituation auf dem schwankenden Schiff zu gewöhnen. Gerade aus diesem Grund sollte jeder Passagier sorgfältig abwägen, ob die Einnahme von starken Medikamenten tatsächlich notwendig ist oder das Unwohlsein auch so überstanden werden kann. Oft halten die Nebenwirkungen wirkungsvoller Arzneimittel nämlich deutlich länger an als die Beschwerden einer Seekrankheit. Egal, wie schlimm Dich die Reisekrankheit am Ende erwischt – „viel trinken“ heißt die Devise, denn wer durch Schwitzen oder Erbrechen viel Flüssigkeit verliert, sollte seinen Mineralstoffhaushalt am besten mit isotonischen Getränken wieder auf Vordermann bringen. Dann sollte einer entspannten und vor allen Dingen gesunden Kreuzfahrt nichts mehr im Wege stehen!

 

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