Wie läuft eine Seenotrettungsübung auf Kreuzfahrtschiffen ab?

von Simone Hock

Sicherheit an Bord durch die entsprechenden Rettungsmittel
Beispiel für Rettungsmittel auf einem Kreuzfahrtschiff.

Keine Überraschung: Die Seenotrettungsübung ist nicht besonders beliebt unter den Passagieren. Sie wird gerne auch mit SNRÜ abgekürzt. Klingt wie ein Möbelstück von IKEA, ist allerdings eine Pflichtveranstaltung. Anders als im Flugzeug wird hier von euch ein wenig Einsatz gefordert.
 

Wann findet die Seenotrettungsübung statt?

Sie wird vor dem Auslaufen des Kreuzfahrtschiffes aus dem Hafen durchgeführt, meistens am Nachmittag oder am frühen Abend.

Oft werdet ihr schon beim Check-in über den Zeitpunkt informiert. Auf dem Schiff geben euch auch Kapitän und Offiziere die geplante Uhrzeit weiter. Spätestens bei dem akustischen Signal solltet ihr hellhörig werden: 7 kurze Töne und 1 langer Ton.

Viele deutsche Reedereien lassen bereits einen Sicherheitsfilm auf den Fernsehern in der Kabine ablaufen. Dort findet ihr auch die wichtigen Infos über Fluchtwege und einen Feuerlöscher.

Übrigens: Wie oft ihr auch schon eine Kreuzfahrt gemacht habt, die Übung ist und bleibt Pflicht. Wenn ihr eine kombinierte Reise gebucht habt, wird die Teilnahme beim zweiten Auslaufen wieder fällig. Wenn unterwegs Gäste zusteigen, wird für sie eine eigene kleine Übung abgehalten, an der ihr nicht teilnehmen müsst.
 

Wie lange dauert eine solche Übung?

Tja, das kommt tatsächlich sehr auf den persönlichen Einsatz jedes Einzelnen an. In der Regel kann nach 25 bis 30 Minuten ein Häkchen hinter die Durchführung gesetzt werden. Verweigern allerdings Passagiere das Teilnehmen oder trödeln unnötig, kann sich das Prozedere auch gut und gerne bis zu einer Stunde oder mehr hinziehen.
 

WIe lange dauert die Seenotrettungsübung?
Die Dauer der Übung hängt von den Passagieren ab.

 

Wo ist meine Rettungsweste?

Tatsächlich unterscheiden sich die Reedereien bei der Aufbewahrung und Vergabe der Rettungswesten. Bei TUI Cruises erhaltet ihr die Weste direkt an der Sammelstelle von den Offizieren. Bei AIDA Cruises läuft es anders ab: Die Reederei hinterlegt die aufblasbaren Lebensretter im Kleiderschrank. Ihr solltet die Weste bereits beim Verlassen der Kabine tragen.

Gut zu wissen: Neben der Info über die anzulaufende Sammelstelle, auch Muster- oder Masterstation genannt, befinden sich auch Kabinennummer und Schiffsname auf eurer Sicherheitsweste. Angebracht sind auch eine Pfeife und ein Blinklicht. Sie machen im Notfall auf euch aufmerksam. Das Licht reagiert automatisch, sobald es mit Wasser in Kontakt kommt.
 

Wie läuft eine Seenotrettung ab?

Sobald das akustische Signal ertönt, müssen sich alle Passagiere zu ihrer Musterstation, die meistens nach Buchstaben benannt ist, begeben. Welche das für euch ist, könnt ihr hier nachsehen:

  • Bordkarte
  • Rettungsweste
  • Kabineninnentür

Auf dem Weg zu der Station dürfen die Fahrstühle nicht benutzt werden, es muss schon die Treppe sein. Schilder weisen euch den Weg. Bei komplettem Orientierungsverlust hilft das Schiffspersonal weiter, das überall stationiert ist.

An der Sammelstelle angekommen gibt es verschiedene Versionen, wie die Passagiere auf Anwesenheit kontrolliert werden. Hauptsächlich arbeiten die Reedereien mit Listen. Ihr werdet anhand eurer Kabinennummer aufgerufen und abgehakt. Amerikanische Kollegen scannen einfach die Bordkarte jedes Einzelnen.

Über die Lautsprecher an Bord werden die Anweisungen und Informationen ebenfalls mitgeteilt, mindestens in zwei verschiedenen Sprachen.

Die Übung gilt erst als beendet, wenn wirklich alle Passagiere vermerkt wurden. Ein Versuch, sich zu drücken, macht wenig Sinn. Parallel zu der physischen Zählung findet eine Kontrolle der Kabinen statt. Sie werden nach dem Check markiert, sodass kein Raum aus Versehen ausgelassen werden kann.
 

Was ist mit Passagieren, die eine Behinderung haben?

Natürlich ist auch für Menschen gesorgt, die aufgrund von Einschränkungen nicht so leicht oder nicht ohne fremde Hilfe ihre Musterstation erreichen können. Diese Information muss schon beim Check-in mitgeteilt werden. Dann unterstützt das Schiffspersonal und läuft die Kabine beim Probelauf direkt an.
 

Konsequenzen bei Verweigerung der Rettungsübung

Klar, dass sich so mancher schon vor der Teilnahme drücken wollte. Allerdings greifen die Reedereien hier konsequent durch. Glänzt ihr durch Abwesenheit, bekommt ihr einen Brief auf die Kabine. Ihr müsst euch bei einem Offizier melden und eine private Übung zur Seenotrettung hinter euch bringen.

Wir haben schon von Verweigerern gehört, die am nächsten Hafen abgesetzt wurden oder direkt von der Reise ausgeschlossen wurden. Anderen wurde ein Landausflug gestrichen.

Fazit: Eine Seenotrettungsübung ist nicht die richtige Gelegenheit, den Aufstand zu üben. Also seid so gut und tut euch sowie den Mitpassagieren den Gefallen und begebt euch ohne große Verzögerung zur Rettungsübung. Für den Ernstfall seid ihr so bestens gewappnet und könnt entsprechend!
 

Befinden sich überhaupt genug Rettungsmittel für alle Passagiere an Bord?

Auf den Schiffen befinden sich mehr Rettungsboote, -inseln und -westen an Bord als Passagiere und Besatzung.
 

Der nette Nebeneffekt einer Seenotrettung

Ihr kommt bei der Übung direkt mit vielen weiteren Mitreisenden in Kontakt. Schließlich hat man ja direkt ein Gesprächsthema. Das kann dem ein oder anderen Single unter euch möglicherweise recht gelegen kommen…

Eine witzige Anekdote hat auch unsere Kollegin Julia zu berichten: Nach ihrer Rettungsübung gab es anschließend einen Klatsch-Contest unter den Sammelstationen.
 

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