Durban in Südafrika: Lebenslust am Indischen Ozean

von Edis

Durban besitzt eine Vielzahl verschiedenster Märkte.
Die Metropole vereint afrikanische, europäische und indische Kulturwelten miteinander.

Johannesburg ist das Geschäftszentrum Südafrikas, Kapstadt die elegante Schönheit an der Südspitze des Kontinents. Doch Durban, Südafrikas vibrierende Metropole am Indischen Ozean, ist die Stadt der Lebenslust. Hier treffen die Kulturen Afrikas, Europas und Asiens aufeinander und schaffen einen multikulturellen Schmelztiegel, dessen Faszination sich kaum ein Besucher entziehen kann. Exotische Märkte, sonniges Strandleben, historische Meilensteine und eine bunte Musik- und Kunstszene bilden ein facettenreiches Ensemble, das unvergleichlich ist und das es auf einer Rundtour zu entdecken gilt.
 

Unterwegs auf dem Markt der Wunderheiler

Die Hafenmetropole am Indischen Ozean zählt drei bis vier Millionen Einwohner, doch das Zentrum Durbans ist kompakt und überschaubar. Wer direkt ins Herz dieses multikulturellen Zentrums in Südafrikas Sonnenprovinz KwaZulu-Natal vorstoßen möchte, sollte sich zu den Warwick-Märkten begeben – am besten geführt, denn das Gassengewirr ist für Fremde schwer durchschaubar. Neun Märkte haben sich rund um eine belebte Kreuzung angesiedelt – einer exotischer als der nächste. Doch gleich vorweg: Einige der Märkte, so etwa der Markt der Wunderheiler oder der Rinderkopf-Markt, sind nichts für Zartbesaitete. Wir sind mit Andrea unterwegs, einer Südafrikanerin, die fast 20 Jahren in Deutschland gelebt hat und die nun in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Sie grüßt nach rechts und links, kennt scheinbar Gott und die Welt in diesem Gassengewirr voller Marktstände, fliegender Händler, kleiner Imbissbuden aus denen exotische Gerüche dringen und wackliger Tische, auf denen Ananas, Bananen und grüne Kürbisse aufgeschichtet sind. An einer belebten Kreuzung, die von mehreren Brücken überzogen ist, stoppt sie abrupt. Rap-Musik wummert aus Ghettoblastern, ein selbsternannter Priester preist seinen Herrn, eine alte Frau bittet um ein paar Münzen und ein Mann mit Rasta-Locken präsentiert eine gelbgescheckte Python. Ein Angriff auf alle Sinne für europäische Gäste, doch es wird noch spannender.

„Hier ist der Eingang zum Markt der Wunderheiler“, erklärt Andrea. „Bitte lasst die Kameras in der Tasche, denn die Menschen hier glauben, dass die Geister der Schamanen an diesem Ort umherziehen und diese dürfen auf keinen Fall auf ein Foto gebannt werden.“ Entlang eines festgetretenen Lehmweges reihen sich Hunderte von winzigen Holzverschlägen aneinander, in denen die Utensilien für die Sangoma, die Wunderheiler, und die Inyanga, die Kräuterkundler, feilgeboten werden. Nur mit verstecktem Blick wagen wir hinzuschauen. An den Holzwänden hängen unzählige undefinierbare Pflanzen. Pülverchen und Tinkturen in Glasfläschen oder Plastikdosen werden angeboten, genauso wie weiße Kalkkugeln, die den Sangoma für ihre Bemalung dienen. Kaum einer kann sich eines leichten Gruselns erwehren, wenn er Gläser mit Krokodilzähnen, Schüsseln mit Vogelkrallen, Tierköpfe oder Schlangenhäute entdeckt. Die Tradition der Zulu ist auch heute noch sehr lebendig und viele begeben sich zu einem Sangoma, wenn sie familiäre oder gesundheitliche Probleme haben. Oder sie fragen nach einem Muti, einem Art Talisman, gemixt aus Ingredienzien unbekannter Herkunft. Ein Fläschchen mit Muti kann nach dem Glauben der Zulu nicht nur heilen, sondern vertreibt auch böse Geister, schützt vor Einbrechern oder schreckt unerwünschte Nebenbuhler ab.
 

Der Victoria Street Market entführt euch nach Indien!

Der Victoria Street Market
Durban ist verliebt in seine indischen Currys

Wir haben genug gesehen und sparen uns den Rinderkopf-Markt, auf dem Ziegen- und Kuhschädel als kulinarische Delikatesse angeboten werden. Es zieht uns zum Victoria Street Market. Hier prägen die Inder das Bild. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen sie über den Hafen von Durban nach Natal, um dort in den Zuckerrohrplantagen zu arbeiten. Viele blieben und ihre Nachkommen bilden heute mit gut einer halben Million Menschen die indische Gemeinde in Durban, die größte weltweit außerhalb des Heimatlandes. Auf dem Victoria Street Market schweben zarte Inderinnen in Saris vorbei und klimpern mit ihren Armreifen. Händler mischen in riesigen Plastikschüsseln Currypulver; Exotische Gerüche von Kardamom, Chili und Kreuzkümmel wabern durch die Luft. Wir stoppen bei Madari & Sons und lassen uns von Buddys fröhlicher und humorvollen Art mitreißen. Extra aus dem 600 Kilometer entfernten Johannesburg kämen seine Kunden, erklärt er, nur um seine speziellen Gewürzmischungen, die er vor unseren Augen zusammenrührt, zu kaufen. Wir lassen uns überzeugen und erstehen alle eine große Dose Kurkuma als Allheilmittel und ein Tütchen edlen Safrans. Gleich nebenan werden wir erneut schwach. Es gibt Bunny Show, die Leibspeise der Stadt. Obwohl der Ozean täglich fangfrischen Fisch bietet, ist Durban verliebt in seine indischen Currys, vorzugsweise mit Lamm- oder Hühnchenfleisch. Der Snack der Stadt, zu haben in jeder Imbissbude mit indischem Einschlag, ist ein mit Curry gefüllter Weißbrotlaib - scharf, exotisch und einfach köstlich!
 

Auf den Spuren von Mahatma Gandhi und Nelson Mandela

Doch Durban ist nicht nur kulturell und kulinarisch eine Offenbarung, auch geschichtlich hat die Hafenmetropole Erstaunliches zu bieten. Mit den Indern kam im Jahre 1893 auch Mahatma Gandhi als junger Anwalt nach Südafrika. Hier nahmen seine politische Laufbahn und seine Philosophie des gewaltlosen Widerstands seinen Anfang. Am Bahnhof in Durban löste er ein 1.-Klasse-Ticket nach Johannesburg. Weit kam er nicht. Im nahen Pietermaritzburg wurde er aus dem Zug geworfen, da indische Bürger in der 1. Klasse nicht erwünscht waren. Er verbrachte die Nacht im Wartesaal des Bahnhofs und fasste den Entschluss, sich auf seiner Weise zur Wehr zu setzen. Viele Jahre später, nachdem es ihm gelungen war, Sonderrechte für die Inder in Südafrika zu erwirken, kehrte er 1914  nach Indien zurück, um dort seine Mission fortzuführen. Wer auf seinen Spuren wandeln möchte, kann den Bahnhof von Pietermaritzburg besuchen oder er fährt ins nahe Phoenix Settlement. Hier wurde das ehemalige Wohnhaus Gandhis wiederaufgebaut  und als kleines, aber sehr interessantes Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Nicht weit entfernt wartet ein ebenfalls geschichtsträchtiger Ort, der an einen anderen, nicht minder berühmten, charismatischen Friedensstifter erinnert: Nelson Mandela. Im Ohlange Institute, einer ehemaligen Schule, gab Nelson Mandela am 27. April 1994 seinen Wahlzettel zur ersten freien Wahl in Südafrika ab. Dieser Ort war nicht zufällig ausgesucht. Hier liegt John Langalibalele Dube, der Gründer des Ohlange Institues und erster Präsident der Freiheitsbewegung ANC begraben. Nelson Mandela wollte diesen ehren und begab sich nach der Wahl an das Grab Dubes und erklärte: „Herr Präsident, ich bin gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Südafrika seit heute ein freies Land ist.“
 

Surfer und Strandfans lieber Durban: feiner Sand, geniale Wellen und stets warmes Klima

Durban: Die Stadt wandelt sich wie ein Chamäleon!
Die Surfergemeinde liebt die Strände von Durban, die beispielsweise via Hainetze geschützt sind.

Doch Durban zeigt noch sehr viel mehr Gesichter. Die Stadt wandelt sich wie ein Chamäleon und präsentiert sich ständig in neuem Kleid. Wer die luftig-leichte, lebenslustige Seite der Stadt entdeckten möchte, besucht am besten die „Golden Mile“. Hier strecken sich herrliche Sandstrände wie Perlen auf einer Kette aufgereiht aneinander. Baden ist unbedingt empfohlen: Das Wasser des Indischen Ozeans ist auch in den südafrikanischen Wintermonaten angenehm warm und Lifeguards sorgen für Sicherheit. Überdies sind die Strände durch Hainetze geschützt, so dass die ungeliebten Meeresbewohner nicht zu nahe kommen können. Auch ein Bummel an der Strandpromenade oder eine Fahrradtour sind schöne Vergnügungen – vor allem, wenn sich gerade die gutgebauten jungen Männer mit ihren Surfboards in die Wellen stürzen und ihre waghalsigen Kunststücke vorführen. Wer eine Pause braucht, setzt sich einfach in eines der Strandcafés und schlürft seinen Kaffee oder sein kühles Bier im Schatten von Palmen oder bunten Sonnenschirmen.
 

Absolut sehenswert sind übrigens auch die uShaka Marine World und der „Sardine Run“!

Die uShaka Marine World ist absolut sehenswert!
In der uShaka Marine World tummeln sich die verschiedensten Meeresbewohner.

Am Ende der Golden Mile wartet dann die uShaka Marine World, ein bunter Vergnügungspark mit einem der größten Aquarien der Welt. In 32 Wasserbecken tummeln sich Haie, Mantarochen und Barsche. Aber auch Seepferdchen und andere kleine, sehr interessante Meeresbewohner bewohnen die Aquarien. Wer (fast) hautnahen Kontakt sucht, kann seinen Lunch im „The Cargo Hold“ einnehmen. Das Restaurant bietet eine raumhohe Glasfront, hinter der sich die Meeresbewohner tummeln. So sollte sich keiner wundern, wenn plötzlich ein Hai vorbeigleitet, mit der Nase an die Scheibe stupst und in die Kaffeetasse schielt. Apropos Meeresbewohner: Ein eindrucksvolles Schauspiel lässt sich in den Monaten Juni bis Juli an der Ostküste Südafrikas, also auch in Durban, mit etwas Glück beobachten: der „Sardine Run“! Abermillionen der kleinen Sardinenfische ziehen dann in riesigen Schwärmen von Süden die Küste hinauf. Im Schlepptau bringen sie Haie, Delfine, Wale, Robben und Seevögel mit – ein eindrucksvolles Schauspiel, das sich manchmal direkt vom Strand, ansonsten vom Boot aus beobachten lässt.
 

Phansi-Museum: Wissenswertes über die Zulu-Kultur

Wer den Markt der Wunderheiler besucht hat, ist vielleicht neugierig geworden und möchte mehr über die reichhaltige Kultur der Zulu erfahren. Ein wunderbarer Ort dafür ist das Phansi Museum im Trendviertel Glenwood. Hier hat Paul Mikula, der als 14-jähriger Junge aus Deutschland nach Südafrika kam, eine eindrucksvolle Sammlung vereint. Er zeigt Marionetten mit traditioneller Zulu-Kleidung, Tonschalen, in denen Bier serviert wird, feine Perlenarbeiten und vieles mehr - eine  wahre Schatztruhe für alle, die sich intensiv für die Zulu-Kultur interessieren. Wer das Glück hat, von Paul persönlich durch die Räume geführt zu werden, wird sich wünschen, Tage hier zu verbringen. Die Stücke aus Pauls Sammlung sind unverkäuflich, doch an einem anderen Platz können schön gearbeitete Souvenirs erstanden werden. Gemeint ist das African Art Center an der Florida Road. Es unterstützt als Non-Profit-Organisation regionale Künstler und bietet deren Arbeiten zum Verkauf. Es finden sich fein geflochtene Körbe, Holzskulpturen, Perlentiere und bunt gemusterte Schalen aus Telefonkabel.
 

Die weiteren Highlights in Durban? Unter anderem Hip-Hop-Kultur, Moses-Mabhida-Stadion und aufregendes Nachtleben

In der Florida Road im Stadtteil Morningside treffen sich gerne die Jungen, Hippen und Vergnügungssüchtigen.
Gutes Essen und ausgezeichnete Bars: Bereit für das Nachtleben in Durban?

Wer tiefer in das Thema Kunst und Kultur einsteigen möchte, kann eine Art-déco-Tour buchen. In den 1930er-Jahren schwappte der Stil in die südafrikanische Hafenstadt und brachte eine Reihe eindrucksvoller Gebäude hervor, die alle typischen Art-déco-Elemente wie strenge geometrische Linien und Formen sowie pastellfarbige Anstriche zeigen. Die Art-déco-Schmuckstücke setzten der damals kolonial geprägten Architektur Glanzlichter auf und werden heute von der Durban Art Deco Society betreut. Eine jüngere Bewegung, die ebenfalls Farbe in die Stadt bringt, ist die Graffiti-Bewegung in Durban, die vor rund 20 Jahren ihren Anfang nahm und aus der Hip-Hop-Kultur entstand. Auch heute noch sind die Graffiti-Künstler vielen ein Dorn im Auge. Doch einige haben ihre künstlerischen Fähigkeiten so weit entwickelt, dass viele Privatleute ihnen Mauern zum Bemalen überlassen und sogar immer öfter dafür auch ins Portemonnaie greifen. Wer im Trendviertel Glenwood unterwegs ist, wird an vielen Ecken auf zum Teil eindrucksvolle Wandgestaltungen stoßen.

Ein weiteres wichtiges Highlight in Durban darf nicht unerwähnt bleiben: das Moses-Mabhida-Stadion. Errichtet wurde es anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika und gilt heute mit seinem eindrucksvollen Stadionbogen als neues Wahrzeichen Durbans. Besucher können im „Skycar“ zum höchsten Punkt des Stadionbogens fahren und von dort einen sensationellen 360-Grad-Blick über Durban  und das Umland genießen

Auch wenn die Nacht hereinbricht, legt Durban sich keineswegs schlafen. Dann kommt die Stunde der Jungen, Hippen und Vergnügungslustigen. Vorzugsweise treffen sie sich in der Florida Road im Stadtteil Morningside. Rap- und Jazzmusik dringt aus den Restaurants und Bars, Neonlichter flimmern an den Fassaden. Dann fahren Nachtschwärmer in schicken Limousinen vor, junge Leute aller Hautfarben steigen aus. Die schwarzen Frauen mit kunstvollen Frisuren und Highheels, die Männer in engen Jacketts und teuren Schuhen. Die Inder setzen auf zurückhaltende Eleganz, die Weißen auf Lässigkeit. Man trifft sich in den Restaurants wie „Mozambik“ oder „Fish on Florida“ und nimmt später die Cocktails in der Cubana Havana Lounge ein. Wer auch diese Facetten dieser quirligen, spannenden Metropole kennen lernen möchte, sollte sich einen Besuch in der Florida Road nicht entgehen lassen.
 

Auskünfte

Durban Tourism, 90 Florida Road, Durban 4001, Tel. +27 31 322 41 64, www.durbanexperience.co.za. Beim Touristenbüro in der Florida Road nahe dem African Art Centre gibt es Kartenmaterial und Führer zu unterschiedlichen Themen.

South African Tourism. Deutschsprachige Informationen zum Reiseland Südafrika sind erhältlich unter www.dein-suedafrika.de oder der kostenfreien Service-Nummer 0800/1189118.

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