Grönland-Kreuzfahrt: ein eiskaltes Vergnügen

von Anastasija @ kreuzfahrt.de

Werden immer beliebter: Grönland-Kreuzfahrten in den hohen Norden
Die Erkundung der größten Insel der Welt lässt sich optimal mit einer Kreuzfahrt verbinden

„Glänzend weiß, strahlend blau, rabenschwarz. So leuchtet das Land im Sonnenlicht, märchenhaft schön. Spitze an Spitze, Gipfel an Gipfel, zerklüftet, wild, wie kein anderes Land der Erde – so liegt es da, unbeachtet und unberührt, gefährlich und verführerisch.“ So beschrieb der berühmte Polarforscher Roald Amundsen Anfang des 20. Jahrhunderts die Arktis, als er auf der Suche nach der legendären Nordwestpassage den eisigen Norden erkundete. Gut möglich, dass er dabei Grönland vor Augen hatte. Diese größte Insel der Welt mit der gut dreifachen Fläche Frankreichs ist ein Traumziel für alle, die dem arktischen Fieber verfallen sind. Ein Sehnsuchtsort für Reisende mit Abenteuerlust, die riesige Eisberge - etwa in der berühmten Diskobucht - und kalbende Gletscher sehen wollen, die Wale und Eisbären in freier Natur erleben und in abgelegenen Inuit-Dörfern den Trommelgesängen lauschen möchten.
 

Ob Holland America oder Hapag-Llyod: Verschiedene Reedereien laufen das einmalige Ziel im hohen Norden an

Grönland ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich: Nur knapp 57.000 Einwohner, die meisten sind Inuit, bewohnen die riesige Landmasse, die im Inneren ständig von einer bis zu drei Kilometer dicken Eisschicht bedeckt ist. Nur knapp 20 Prozent des Landes sind im grönländischen Sommer eisfrei. Überlandstraßen gibt es keine. Die 18 kleinen Städte, darunter die Hauptstadt Nuuk mit 17.000 Einwohnern, und rund 60 Siedlungen können nur per Flugzeug oder Schiff erreicht werden. Wer die Schönheit der grönländischen Küsten, die Fjorde und kleinen abgelegenen Siedlungen erleben möchte, geht also am besten an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Eine Reihe von Anbietern hat sich auf das steigende Interesse an diesem arktischen Traumziel eingestellt und bietet zwischen Mai und August spannende Routen an. Manche Schiffe sind auf der Durchreise von Island an die Ostküste Kanadas, andere machen reine Grönland-Touren, wobei meist der Westen der Insel auf dem Programm steht. Die MS Astor von Transocean, die Insignia und Nautica von Oceania Cruises, die MS Rotterdam von Holland America Line und die MS Hanseatic von Hapag-Lloyd Cruises sind nur einige der Schiffe, die für eine Kreuzfahrt rund um Grönland zur Auswahl stehen.
 

Ein eindrucksvolles Naturschauspiel bietet der Gletscher Sermeq Kujalleq am Eisfjord Kangia

Der Eisfjord Kangia wurde zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt
Der Gletscher Sermeq Kujalleq schickt riesige Eisberge in die Diskobucht

Auf welchem Schiff auch immer der Passagier an Bord geht, mit Grönland wartet eine Trauminsel der ganz besonderen Art. Statt Palmen gibt es saftig-grüne Moose, statt badewannenwarmen Lagunen die eiskalten, glitzernden Wellen des Polarmeers und statt städtischem Trubel die stille Weite einer grandiosen Natur. „Ich würde nie aus Grönland weggehen“, sagt Tuperna Kleist, eine 22-jährige Grönländerin mit blitzenden Augen und strahlendem Lachen. Die temperamentvolle junge Frau aus dem 1000-Seelen-Örtchen Nanurtulik im Süden Grönlands hat bereits ein Austauschjahr in Portugal verbracht, doch ihre Entscheidung ist zugunsten ihrer Heimat gefallen: „In Grönland kann ich zum Fischen aufs offene Meer hinausfahren und ich kann mit dem Hundeschlitten auf Rentierjagd gehen. Hier bin ich frei wie ein Vogel und es wird nie langweilig. Der Sonnenuntergang sieht jeden Tag anders aus und in der Natur riecht es im Sommer wie in einem Kräutergarten.“

Eine von Tupernas Lieblingsorten in Grönland ist die Diskobucht. Dort befindet sich mit Ilulissat das touristisch bekannteste Ziel Grönlands. Grund ist der Gletscher Sermeq Kujalleq am Eisfjord Kangia. Er ist einer der produktivsten der Welt und schickt riesige Eisberge vorbei an Ilulissat in die Diskobucht, von wo aus sie  ihren Weg nach Süden antreten. Die Anzahl der vor Ilulissat treibenden Eisberge ist so außergewöhnlich hoch, dass der Fjord zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wurde.  Ebenso spektakulär wie vor Ilulissat lassen sich die eisigen Riesen vor Qeqertarsuaq auf der Diskoinsel, bestaunen. Den Einwohnern des Örtchens bietet sich ein Bild wie aus dem Katalog. Vor der Küste stapeln sich riesige Eiskolosse im Wasser, manche verharren ineinander verkeilt im Hafen, andere treiben auf dem offenen Meer vorbei. Bis zu hundert Meter können die Giganten aus den Wellen ragen. Ein Eisberg scheint schöner, bizarrer und eindrucksvoller als der nächste. Manche glitzern in reinstem Weiß, andere schimmern in hellem Türkis, manche sogar in tiefem Blau. Diese sind Eisbrocken aus der Tiefe der Gletscher, dort wo das Eis so stark gepresst ist, dass kaum Lufteinschlüsse vorhanden sind, die das Licht streuen könnten. „Eisberge sind wundersame Gebilde“, sagt Tuperna, „manche gleichen Kathedralen, andere erinnern an bizarre Türme, gigantische Pilze, wilde Monster oder riesige Sahnehauben. Wer sie anschaut, kommt automatisch ins Fantasieren. Jeder dieser Riesen, deren Eis vor viele tausend Jahren entstand, ist einmalig.“
 

Grönlandwale in freier Wildbahn vor der Küste bestaunen!

Walsichtungen stehen in Grönland an der Tagesordnung
Immer wieder ein Erlebnis: Grönlandwale tummeln sich direkt vor der Küste

Doch Qeqertarsuaq hat noch mehr zu bieten. Der 850-Einwohner-Ort, der bereits vor rund 4000 Jahren besiedelt war, besitzt eine ganz außergewöhnliche Kirche von achteckiger Form, so dass sie den Spitznamen „Tintenfass unseres Herrn“ erhielt. Darüber hinaus gibt es eine arktische Forschungsstation, die zur naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kopenhagen gehört, und ein Museum, das Objekte aus der Walfänger- und Kolonialzeit zeigt.  Vor allem ist der Ort für seinen Walreichtum bekannt. Häufig tummeln sich Grönlandwale direkt vor der Küste. Die bis zu 100 Tonnen schweren Tiere gleiten elegant durchs Wasser, prusten meterhohe Fontänen in die Luft und verabschieden sich dann zu einem ihrer Tauchgänge, die bis zu einer Stunde dauern können, in die Tiefe. „Bei uns dreht sich alles um den Wal“, erzählt Kirsten Schmidt-Petersen, die aus Südgrönland stammt und in den Norden gekommen ist, um das Museum zu leiten. „Der Grönland-Wal wird allerdings selten gejagt, er ist zu groß. Beliebt ist aber zum Beispiel der Narwal. Aus seinem Stoßzahn stellen wir die Tupilaks her. Ein Tupilak ist ein Talisman mit dem Kopf eines Monsters, der vor allem in der Dunkelheit hilft, die bösen Geister zu vertreiben.“
 

Ab November bricht die arktische Nacht über das Land herein

Im November bricht die arktische Nacht herein
Ab November hüllt sich Grönland nahezu in komplette Dunkelheit

In Grönland kann man einen Tupilak gut gebrauchen, denn der Sommer mit seiner üppig-grünen Vegetation und der Mitternachtssonne währt kurz. Bereits Mitte August beginnt es zu schneien und im November bricht die arktische Nacht herein, die nur durch ein wenig Zwielicht um die Mittagszeit erhellt wird. An klaren Tagen und Nächte beleuchtet allein der Mond das Land wie mit einer Taschenlampe oder es sind die unzähligen Sterne der Milchstraße, die mit ihrem glitzernden Gruß aus weiter Ferne den Schnee zum Funkeln bringen. Hin und wieder tanzen Nordlichter am Himmel und ziehen grün, blaue, oder orange-rote Schleier über das Firmament. Wenn sich ab Januar der Tag erneut zeigt, feiern die Grönländer seine Wiederkehr. Die Bewohner von Ilulissat steigen dazu am 13. Januar auf den  Seqinniarfik Hügel und begrüßen die Sonne nach einer viele Wochen währenden Nacht.
 

Hafenliebling Sisimiut

Ein beliebter Anlaufhafen für Kreuzfahrtschiffe ist auch Sisimiut, 40 Kilometer nördlich des Polarkreises und Grönlands nördlichster Hafen, der das ganze Jahr über eisfrei ist. Tuperna empfiehlt vor allem das Kolonialzentrum mit der ältesten Kirche Grönlands von 1773 und den beiden Museumshäusern mit Fundstücken alter Kulturen. Doch auch Shoppingliebhaber kommen in Sisimiut auf ihre Kosten. In einem ehemaligen Lagerhaus am alten Hafen haben Künstler eine Werkstatt eingerichtet. Hier finden sich Schmuck, Schnitzfiguren und Tupilaks aus Rentiergeweihen, handgestrickte Socken und Fausthandschuhe aus Robbenfell. Wer etwas Besonderes sucht, geht am besten zu Qiviut an der Jukkorsuup Aqq.1. Hier bietet Anita Hoegh eine exquisite Auswahl an Mode aus traditionellen Materialen, interpretiert in modernem Stil. Da finden sich Boots aus Robbenfellen, Anoraks mit modisch eingefärbten Fellkragen und Strickwaren aus der Wolle wilder Moschusochsen. Das kuschelweiche und sehr warme Material ist einzigartig in seiner Qualität und wird auch von internationalen Modedesignern eingesetzt.
 

Der Charme der kleinen Ortschaften: Wie wäre es einmal mit einem Kaffee im Wohnzimmer der Einheimischen?

Kangaamiut ist ein beliebtes Ziel und liegt am Ausgang des Ewigkeitsfjords
Kangaamiut können Gäste in das Leben der einheimischen Bevölkerung eintauchen

Sisimiut wie auch Grönlands Hauptstadt Nuuk wirken fast wie quirlige Metropolen, wenn sich die Besucher danach in kleinen Dörfern oder winzigen Siedlungen wiederfinden. „Mir ist es in den Städten viel zu laut“, erklärt auch Tuperna und rät dazu, einmal nach Kangaamiut zu fahren. Das Örtchen mit 360 Einwohnern liegt malerisch am Ausgang des Ewigkeitsfjords. Hingetupft wie Kleckse auf einem Ölgemälde verteilen sich die bunten Häuschen auf tiefschwarzem Stein. Heute darf jeder Grönländer ohne Vorgaben in die Farbtöpfe greifen. Früher jedoch galt die Regel: Gelbe Häuser beherbergen Gesundheitsstationen, grüne dienen dem Unterricht und blaue dem Handel. Manches Kreuzfahrtschiff, das in Kangaamiut anlegt, bucht ein „open-village-package“. Das heißt, die Dorfbewohner öffnen ihre Kirche, das Gemeindehaus und manchmal auch ihre Wohnhäuser für die Besucher und lassen sie hinter die Kulissen blicken. In Kangaamiut werden die Gäste mit einem traditionellen Trommeltanz begrüßt, dazu erklingen Inuit-Gesänge. Musik spielt in Grönland sowieso eine große Rolle als Zeitvertreib in den langen Wintermonaten. Und so besitzt der kleine Ort auch einen Kirchenchor, der sein Repertoire gerne zum Besten gibt.
 

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