Qatar – Highlights und versteckte Ecken

von Daniela @ kreuzfahrt.de

Skyline Doha – die schönste am Persischen Golf!

Ein Dhau aus Holz vor Qatars Wolkenkratzern
Kontraste - ein hölzernes Dhau (Fischerboot) vor der modernen Skyline Dohas

Abdulrahman Sajid („AB“ genannt), ein 22-jähriger Pakistani, dessen Großeltern nach Qatar ausgewandert sind, fühlt sich in dem kleinen, feinen Emirat zuhause und hat mit seinen 22 Jahren schon eine beachtliche Berufslaufbahn als Paddellehrer, Servicekraft, und Kinderanimateur hinter sich. Nun hat er zusammen mit seinem Kumpel Saif die Firma Middle East Adventure gegründet, die private Touren für Touristen anbietet (Email: Abdulrahman@365adventures.me).

 

„Ich habe mit 16 Jahren angefangen zu arbeiten“, erklärt er seinen eindrucksvollen Lebenslauf. „Doch einmal“, so gibt er zu, „war ich einen Monat arbeitslos. Da habe ich mich nachts an die Corniche der West Bay in Doha gelegt und in den Himmel geschaut. Hoch oben, 40 oder 50 Stockwerke über mir, glitzerten die Wolkenkratzer – ein faszinierendes Bild, das ich stundenlang anschauen konnte.“ Das glaubt man AB sofort, denn die Skyline von Doha ist mit Abstand die schönste der Golfstaaten. Wer die Kulisse der Glitzertürme bestaunen möchte, nähert sich am besten von der Altstadt Dohas mit einer der hölzernen Dhauen, die dort auf Gäste warten. In der beginnenden Dämmerung geht es über die Bucht von Doha Richtung West Bay, dem Geschäftsviertel Dohas.

 

Links ist der Woqod-Tower zu sehen
Ein Teil der beachtlichen Skyline Dohas

Am anderen Ufer leuchtet dann der Tornado-Tower wie mit einem Netz blauer Lämpchen überzogen, die Palmen-Türme glitzern im Licht der untergehenden Sonne und der Woqod-Tower in Form eines Torpedos knipst seine farbenfrohe Beleuchtung an. Doch ein Gebäude fällt besonders ins Auge – ein golden leuchtender Turm, den ein filigranes Muster überzieht. „Das ist der Qatar-Tower“, sagt AB und fügt grinsend hinzu: „Wir nennen ihn hier allerdings wegen seiner Form  den Kondom-Turm.“  Wer den Wald aus gläsernen Hochhaustürmen aus nächster Nähe betrachten möchte, muss das Viertel West Bay besuchen, dort eventuell sein Hotel auswählen (zum Beispiel das Intercontinental – The City) und durch die Straßen streifen. Ein guter Tipp ist eine private Limousinentour: Für umgerechnet 40 Euro fährt Manasco Transportation bis zu drei Gäste für drei Stunden zu den Zielen ihrer Wahl (Tel. +974 5510 6863, E-Mail Satheeshmtl@gmail.com). Wer sich informieren möchte, wie welcher Turm heißt und wer ihn erbaut hat, findet auf dieser Website ausführliche Informationen.

 

Besucher, die sich für die Architektur Qatars interessieren, können auch einen Ausflug zu The Pearl einplanen – eine künstlich aufgeschüttete Insel an der Ostküste mit eindrucksvollen Villen für Superreiche und Apartmenthäusern für gut Verdienende.

 

MIA – verschleierte Kunst

Das MIA soll an eine verschleierte Frau erinnern
Das Museum of Islamic Art

„Nicht das höchste, aber das schönste und raffinierteste Gebäude Dohas steht auf einer aufgeschütteten Insel nahe der Altstadt“, erklärt AB. „Es ist ein sandsteinfarbiger, verschachtelter Bau, der die Assoziation an eine verschleierte Frau hervorruft.“ Tatsächlich meint man in dem architektonischen Geniestreich des Stararchitekten I. M. Pei ein Gesicht zu erkennen, das nur zwei Schlitze für die Augen freilässt. Doch die eigentliche Schönheit des „MIA – Museum of Islamic Art“ zeigt sich im Inneren. Es öffnet sich ein großes Atrium mit himmelhoher Glasfront und einem großzügig geschwungenen Treppenaufgang, der die Besucher in weiten Runden bis unters Dach führt. In jedem Stockwerk warten nobel gestaltete und raffiniert ausgeleuchtete Ausstellungsräume, in denen islamische Kunst vieler Epochen wie ein kostbarer Schatz präsentiert wird. „Unbedingt sollte man einen Abstecher auf die Außenterrasse zur linken Seite des Eingangs machen“, empfiehlt AB. „Von dort bietet sich ein grandioser Blick auf die Skyline von Doha – ein idealer Platz für ein Panoramafoto oder ein Selfie mit spektakulärem Hintergrund.“

 

Aktiv in Qatar – raus aus der Stadt

Wer meint, Qatar hätte nichts als Wolkenkratzer und Wüste zu bieten, der irrt. Nördlich der Stadt Al Khor lockt das Emirat mit den ausgedehnten Mangrovenwäldern von Al Thakira. Wem der Sinn nach Bewegung steht, steigt dort in die Kajaks und paddelt los. Zunächst geht es über eine türkis-schimmernde Lagune und dann hinein in die Kanäle der Mangrovenwälder. Hier wartet ein erstaunliches und weitgehend intaktes Ökosystem, in dem Flamingos, Reiher und unzählige Arten von Kleinvögeln ein Zuhause haben.  Wer die Wüste vorzieht, kann eine Tour in die Dünen buchen. In rasantem Tempo geht es die Sandberge hoch und runter. Als krönender Abschluss wird meist ein stimmungsvolles Picknick unterm Sternenhimmel geboten.

Doch Qatari lieben nicht nur schnelle Autos und Kamele, sondern haben auch ein Herz für Pferde – gut zu beobachten im Pferdegestüt Al Shaqab. Dort wurde den edlen Vierbeinern eine luxuriöse Unterkunft gebaut – mit schicken Ställen, einer Rennbahn, einem Hospital und einem Schwimmbad nur für Tiere. Rund 1000 wertvolle Araber-Pferde sind in Al Shaqab untergebracht – gut 100 davon gehören dem Emir persönlich. Hier sind auch Besichtigungstouren möglich.

 

Msheireb Museen – Hightech und Tradition

Ein Statue in einem der Mscheireb Museen
Eine Impression aus einem der Msheireb Museen

Bevor Mitte des vorherigen Jahrhunderts in Qatar Erdöl entdeckt wurde, lebte die dortige Bevölkerung sehr bescheiden. Die Menschen waren Fischer, Perlentaucher oder zogen als Beduinen von Ort zu Ort. Der plötzliche Reichtum, den das Öl brachte, katapultierte das Emirat in die Zukunft. Doch die Qatari haben sich eine enge Verbindung zu ihrer Tradition bewahrt und legen Wert darauf, sie zu pflegen und weiterzugeben. Her Highness Sheikha Moza Bint Nasser, Mutter des derzeitigen Emirs von Qatar, hat deshalb die Errichtung der Msheireb Museen vorangetrieben. In vier traditionellen Häusern werden historische, politische und gesellschaftliche Themen behandelt, wobei die neueste Technik, wie zum Beispiel 3-D-Animationen und Beamer, zum Einsatz kommt. Besonders spannend ist das Company House, das von der Mühsal der früheren Arbeiter erzählt und veranschaulicht, wie die Metamorphose zum Glitzerstaat gelang. Für AB besonders spannend ist das Radwani House. „Ich habe es nur durch Zufall erfahren, aber in diesem Haus haben vor dem Umbau zum Museum meine Großeltern gewohnt“, erzählt er mit gewissem Stolz und führt uns in den Madschlis, den traditionellen Versammlungsraum, in dem Tee und Datteln serviert werden.

 

Souq Waqif – Stoffe, Gold und Falken

Shopping im Souq Waqif
Einkaufsbummel nach Herzenslust im Souk Waqif

„Der Souq Waqif ist das Herz von Doha“, erklärt AB, „vor allem dort, wo die Einheimischen ihre Stände aufbauen, herrscht eine sehr authentische Atmosphäre. Dort können typisch lokale Gerichte gekostet werden.“ Tatsächlich atmet der Souk in Doha Geschichte und Tradition – obwohl die Gebäude in Wahrheit neu sind. Sie wurden nach einem Großbrand im traditionellen Stil der alten Lehmhäuser errichtet. Entstanden ist ein weitläufiger Souk mit vielen Cafés und Restaurants, in denen Einheimische und ausländische Gäste Seite an Seite sitzen und einen Tee oder Kaffee genießen. Unbestrittenes Zentrum ist die Polizeistation, ein zentraler und unübersehbarer Treffpunkt. Die Besonderheit: Die Ordnungshüter tragen Uniformen im Stil der 1940er Jahre. Viel zu tun haben die Polizisten nicht. Der Souk ist wie das gesamte Emirat Qatar ein überaus sicherer Ort. Vor allem Frauen genießen es, ohne jede Einschränkung und unangenehme Gefühle überall entlangschlendern zu können. Für europäische Gäste eine Kuriosität ist der angegliederte Falken-Souk, in dem die pfeilschnellen Vögel vorgeführt und gehandelt werden. Wer die Gleichförmigkeit der großen Hotelketten langweilig findet, wird im Souq Waqif seine Traumunterkunft finden. Neun kleine, sehr feine Hotels, zusammengeschlossen als „Souq Waqif Boutique Hotels“, bieten in traditionell gebauten und eingerichteten Häusern mitten im Souk eine traumhaft schöne Unterkunft.

Als Alternative zum Souq Waqif vergnügen sich Einheimische und Gäste gerne in Katara, einem Kulturdorf im islamischen Stil mit Galerien, Bühnen und vielen schicken Restaurants im Norden Dohas. Empfehlenswerte Restaurants sind dort das Khan Farouk Tarab Cafe im ägyptischen Stil und das L’Wzaar, das wegen der leckeren Fischgerichte beliebt ist.

 

Restauranttipps – authentisch und exquisit

Zauberhaft angerichtet - so geht verwöhnen in Qatar
Kulinarisch hat Qatar viel zu bieten

Qatar ist ein Paradies für alle, die gutes Essen lieben und offen für neue Geschmackserlebnisse sind. Die 4- und 5-Sterne-Hotels bieten alle eine hochwertige Küche, die meist von internationalen, arabischen und indischen Einflüssen geprägt ist. „Mein Lieblingsrestaurant für ein stilvolles Dinner ist das Argan im Souq Waqif Boutique Hotel Al Jasra“, sagt AB. „Es ist im marokkanischen Stil gehalten und bietet eine tolle Atmosphäre. Schon die Mandelmilch mit Orangenblüten zur Begrüßung ist eine Offenbarung. Auf jeden Fall sollte man den Kürbisbonbon mit Sesamsamen und die Teigtaschen mit Ziegenkäse und Spinat probieren.“ Im Souk empfiehlt AB auch das persische Restaurant Kebab Al Tayeb, ferner das Asheerej, ein traditionelles Lokal mit arabischer Küche, und das Alenna Restaurant im Falken-Souk, das eine köstliche Pistazien-Eiscreme serviert.

 

Wer sehr authentisch speisen möchte, kann das Diwaniyat Al Boukhari in Al Gharafa, Thani Bin Jasim Street, besuchen. Kleinere Gruppen und Familien können hier in separierten Madschlis essen, abgetrennten Räumen für ungestörtes Beisammensein. Ob Vorspeisen, Hauptgerichte oder Dessertplatten – alles kommt auf einen niedrigen Tisch, der mit einem Plastiktuch abgedeckt ist. Gegessen wird traditionell mit der rechten Hand – doch auf Wunsch erhalten die Gäste auch gerne Besteck.

 

„Ein Highlight für Gourmets ist das in Qatar jährlich im Frühjahr veranstaltete Food Festival“, erzählt AB. „Direkt am Sheraton Hotel an der Corniche verwandelt sich der Park in eine kulinarische Meile mit Food-Trucks, kleinen Straßenständen und Musikvorführungen – ein großer Spaß für Einheimische und Gäste.“ Die Chefköche der 5-Sterne-Hotels bitten zu kulinarischen Snacks und auch die Botschaften sind mit Ständen vertreten. Die deutsche Botschaft serviert zum Beispiel an der „Wurstbude“ Würstchen und Kartoffelsalat. Ein spektakulärer Höhepunkt ist das „Dinner in the Sky“. Ein Kran zieht eine Plattform mit Esstisch bis zu 40 Meter in die Höhe. Auf Wolkenkratzer-Höhe werden dann arabische Köstlichkeiten serviert, wobei sich die Gäste sicher angeschnallt einmal um 360° drehen. Ein unvergesslicher Genuss – vorausgesetzt, der Gast ist schwindelfrei. Ganz hoch hinaus geht es auch im Torch-Tower, dem Fackel-Turm. Er beherbergt ein 5-Sterne-Hotel und das Restaurant „Three Sixty“, ein Drehrestaurant in luftiger Höhe, das einen einzigartigen Blick auf Doha bietet.

 

Souk – Shopping für jeden Geschmack

„Shoppingtipps für den Souk?”, AB grinst verlegen und erklärt, dass er uns zu Valentina Bambuchova bringt. Die gebürtige Pragerin war schon in vielen Hotels weltweit tätig und betreut nun eine Kollektion von neun Boutiquehotels mitten im Souq Waqif – und sie ist eine Shopping-Queen. Vor allem die wunderbaren Stoffe mit ihren geometrischen und floralen Mustern, die es in der arabischen Welt in verschwenderischer Fülle gibt, haben es ihr angetan. „Am liebsten schlendere ich am Abend durch den Souq Waqif – ganz Doha scheint sich hier zu treffen. Die einheimischen Männer in ihrer blütenweißen Thawb, die Frauen in der schwarzen Abeyya und Menschen aller Nationen, jeder gekleidet wie er mag, finden sich ein. In sehr entspannter Atmosphäre erledigen die Leute ihre Einkäufe, sitzen in der milden Luft draußen, trinken grünen Tee, türkischen Mokka oder eine erfrischende Zitronen-Pfefferminz-Limonade.“ Wer inspiriert werden möchte, so empfiehlt Valentina, läuft am besten durch den Handwerkssouk. Neben wunderbaren Stoffen sind vor allem die gehämmerten Lampen mit ihren filigranen Mustern lohnenswerte Souvenirs.

 

Im Gold-Souk gibt es wunderschönen Schmuck
Der Gold-Souk: Paradies für Schmuckliebhaber

„Wer ein wenig mehr ausgeben mag und etwas Besonderes sucht, der ist bei Darriche Traditional Home Interiors richtig“, ergänzt Valentina. „Dort findet man wunderbare antike Stücke – von Kleinmöbeln bis zu Dekorationsgegenständen im arabischen Stil – alles sehr hochwertig. Kunstliebhaber sind im Souq Waqif Art Center richtig. Es ist in einem traditionellen Gebäude untergebracht und bietet eine tolle Auswahl an Gemälden und Skulpturen. Im Gold-Souk empfehle ich Damas Jewellery. Dort haben sie eine gute Auswahl an Schmuck für Erwachsene und Kinder.“ Nicht unterschlagen möchte Valentina die Shoppingmöglichkeiten in den diversen Malls des Emirats. „Gefühlt eröffnet hier jeden Monat eine neue Mall“, sagt sie. „In allen Malls gibt es eine breite Auswahl an Mode und Dingen des täglichen Lebens. Die internationalen Marken sind vertreten. Wenn ich eine Mall herausheben sollte, dann ist es die Villagio Mall. Sie ist ganz im venezianischen Stil gehalten, hat eine Piazza wie in Italien und – als spektakuläres Highlight – Kanäle, auf denen man in Gondeln fahren kann. Wer Shopping und Inspiration liebt, sollte sich diesen Ort nicht entgehen lassen.“

 

Von Jutta Lemcke

 

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