Zwischen Rädern und Grachten: Ein Bummel durch Amsterdam

von Daniela @ kreuzfahrt.de

Der Anblick vieler Boote ziert die niederländische Stadt Amsterdam
Amsterdams wundervolle Grachten

Selbstverständlich kann man in Amsterdam eine Grachtentour machen, man kann das Anne-Frank-Haus besuchen und im Rijksmuseum die alten Meister anschauen. Doch wer den Charme dieser quirligen Metropole spüren möchte, sollte sich bei einem Bummel durch die Stadt treiben lassen. Wer nur wenig Zeit hat, stürzt sich am besten in den „Neun Straatjes“, die „Neun Straßen“, zwischen Prinsengracht und Singel ins Getümmel. Doch Achtung: In Amsterdam beherrschen die Fahrradfahrer die Straßen. Fußgänger sollten aufmerksam gucken, denn die Radler fahren rasant und halten für nichts und niemanden. Autos spielen im Zentrum nur eine untergeordnete Rolle. Nur wenige verirren sich in den inneren Grachtenring, da es nahezu unmöglich ist, einen regulären Parkplatz zu ergattern und die Abschleppwagen schnell vor Ort sind.

 

Sinnlicher Start im Salon de Thé

Im Salon de Thé gibt's zum Beispiel Grünen Tee
Im Salon de Thé gibt's viele Teesorten

Kleine Boutiquen, ausgesuchte Markenshops, stylische Restaurants in schmalen Grachtenhäusern und Eck-Cafés mit originellen Menükarten – in Amsterdam droht die Qual der Wahl. Am besten stärkt man sich zu Beginn in einem der vielen Cafés und Teestuben, etwa im Salon de Thé an der Leliegracht in einem wunderschönen Kanalhaus aus dem 17. Jahrhundert. Ob ein feiner Earl Grey oder ein frischer Pfefferminztee – das himmelblaue Dekor und die stilvolle Holztheke schaffen ein sinnliches Ambiente, das wunderbar auf einen Tag in Amsterdam einstimmt.

t'hotel, Salon de Thé, Leliegracht 18, 1015 DE Amsterdam

 

Himmlische Verführungen für Naschkatzen

Nach dem Tee eine kleine Leckerei? Dann lohnt sich ein Bummel durch die Oude Leliestraat zu Puccini Bomboni. Handgemachte Pralinen werden hier wie wertvoller Schmuck ausgestellt. Zu Recht: Die Köstlichkeiten aus Schokolode, karamellisierten Pecannüssen, Calvadoscreme und Himbeermousse sind kleine Kunstwerke und schmecken himmlisch. Doch Achtung: Das Auge wird schnell verführt und so mancher Besucher geht mit mehr Pralinenpäckchen aus dem Haus, als er in absehbarer Zeit vernaschen kann. Wenige Schritte entfernt lohnt ein Abstecher bei Nooosugar. In dem hübschen kleinen Shop finden sich Wohn- und Modeaccessoires aus aller Herren Länder von afrikanischen Bastwaren über marokkanische Tablett-Tische bis zu Filztäschchen aus der Region. Ein wunderbarer Laden, den man nicht verlassen kann, ohne ein kleines Geschenk oder einen Deko-Artikel für zu Hause zu erstehen.

Puccini, Singel 184, 1016 AA Amsterdam

Nooosugar, Oude Leliestraat 8, 1015 AW Amsterdam

 

Accessoires wie aus dem Orient

Wer im Deko-Rausch ist, kann bei Zenza in der Haarlemmerstraat vorbeischauen. Das niederländische Label ist bekannt für seine stimmungsvollen Lampen im orientalischen Design. Ergänzt wird die Kollektion durch grob gehämmerte Tische und Sideboards aus Mangobaumholz und handgeknüpfte Teppiche aus Jute oder Leder. Wer nur eine Kleinigkeit erstehen möchte, greift zu zarten Windlichtern oder Objekten aus Kaurimuscheln.

 Zenza, Haarlemmerstraat 89, 1013 EL Amsterdam

 

 

Cooles Design im Workwear-Stil

Leckere Schokolade aus dem Laden Urban Cacao
Schokolade von Urban Cacao

Weiter geht es Richtung Hartenstraat, vorbei an prachtvollen Kanalhäusern, über blumengeschmückte Brücken und entlang der Grachten mit ihren Hausbooten, die vielen Einheimischen als Wohnstatt dienen. Sogar Männer könnten in Shopping-Laune geraten, denn hier findet sich der Shop des angesagten Labels Carhartt mit coolen Designs im Workwear-Stil. Der Lunch kann in der Hartenstraat zum Beispiel im unkomplizierten Ambiente des Van Harte eingenommen werden. Köstlich sind die Linguine mit Zitrone und Spinat und für den kleinen Hunger das knusprige Brot mit hausgemachter Thunfischpaste. Als Dessert lockt der Möhrenkuchen mit Mascarponecreme. Wer sich diesen verkneifen kann, bummelt weiter in die Rozengracht zu Urban Cacao. Wer nicht gerade Diät hält, wird sich etliche süße Leckereien einpacken lassen. Göttlich gut ist die Schokolade mit Karamell und Meersalz und vor allem die frisch hergestellten Macarons, etwa mit Limoncello oder Nougat. Vielleicht noch ein Eis auf die Hand? Joghurt-Mango ist unwiderstehlich.

Van Harte, Hartenstraat 24, 1016 CC Amsterdam

Urban Cacao, Shop & Factory, Rozengracht 200, Amsterdam

 

Coole Kunst in Amsterdam

Ein Plakat des Modern Contemporary Museum
Das Moco präsentiert Moderne Gegenwartskunst

Gestärkt ist man nun bereit, auch einen etwas längeren Fußmarsch auf sich zu nehmen. Immer einen Besuch wert ist Droog in der Staalstraat. Auf der Mailänder Messe genießt niederländisches Design schon lange einen hervorragenden Ruf. Besondere Beachtung findet Jahr für Jahr das Label Droog. Immer neue Formen und neue Materialien werden zu überraschenden Designs komponiert. Im Shop an der Staalstraat können die neuesten Kreationen bewundert werden. Über dem Geschäft lädt das Droog Café zum Entspannen in großzügiger Atmosphäre ein. Besonders gut: Der frische Ingwertee – natürlich serviert in eigenem Droog-Geschirr. Wer nicht ganz auf Kunst verzichten, aber auch nicht auf ausgetretenen Pfaden wandeln möchte, kann danach im Moco vorbeischauen. Das im April 2016 eröffnete Modern Contemporary Museum startete spektakulär mit einer Ausstellung der Streetart-Legende Bansky. Eines ist klar – das Moco ist das coolste Museum in Amsterdam!

Droog, Staalstraat 7B, 1011 JJ Amsterdam     

Moco

 

Obama und „Die Nachtwache“

Das Moco ist vielleicht das coolste Museum in Amsterdam, das spektakulärste ist mit Sicherheit das Rijksmuseum. Wer auch nur ein wenig Kunstsinn besitzt, sollte sich diesen Kulturtempel in einem historischen Gebäude am Museumsplein im Stadtteil Oud-Zuid auf keinen Fall entgehen lassen. Ex-Präsident Barack Obama, so wird erzählt, landete mit seiner Air Force One extra in der Nähe des „Rijks“, nur um einmal einen Blick auf das berühmte Gemälde „Die Nachtwache“ von Rembrandt werfen zu können. Das Rijksmuseum, das nach fast 10-jähriger Renovierung 2013 in neuem Glanz wiedereröffnet wurde, bietet mit mehr als 8000 Exponaten eine weltweit gefeierte Sammlung an Gemälden und anderen Kunstwerken. Bei jedem Besuch entdeckt man Neues, so dass dieses Museum immer wieder eine Anlaufstelle mit magnetischer Anziehungskraft ist. Zu den Highlights gehören neben der Nachwache auf jeden Fall das Gemälde „Dienstmagd mit Milchkrug“ von Johannes Vermeer von 1660 und das Selbstporträt von Vincent van Gogh aus dem Jahr 1887. Fans des genialen Malers mit der tragischen Lebensgeschichte werden in Amsterdam sowieso happy sein, denn das Van Gogh Museum in der Paulus Potterstraat 7 beherbergt die weltweit größte Sammlung der vorwiegend impressionistischen Gemälde.  

Rijksmuseum, Museumstraat 1, 1071 XX Amsterdam

Van Gogh Museum, Paulus Potterstraat 7, 1071 CX Amsterdam

 

Amsterdams sündige Ecken

Schild eines Coffee-Shops in Amsterdam
Amsterdam ist berühmt für seine Coffee-Shops

Gegen Amsterdams Rot-Licht-Viertel erscheint Hamburgs Reeperbahn schon fast ein wenig bürgerlich. Doch keine Sorge, auch als harmloser Tourist kann man in Amsterdam – vor allem tagsüber – durch die sündigen Gassen zwischen Neumarkt, Hauptbahnhof und dem Dam schlendern, ohne schräg angeschaut zu werden. Ein Blick ins Rot-Licht-Viertel gehört zu einem Amsterdam-Besuch einfach dazu, um die ganze quirlige Bandbreite dieser spannenden Metropole zu erfassen. Und wo es gerade um den Reiz des Verbotenen geht: Ein weiteres Markenzeichen sind Amsterdams Coffee-Shops. Hier werden allerdings nicht vorrangig Espressi und Cappuccini serviert, sondern es wird, von der Polizei toleriert, Cannabis verkauft und geraucht – unter strengen Auflagen, wohlgemerkt. Das was andernorts verboten ist, gilt hier als legal und trägt zum Lifestyle der Stadt bei. Die Coffee-Shops sind Treffpunkte für entspanntes Beisammensein und angeregte Gespräche und sorgen nicht zuletzt dafür, dass Amsterdam ein Magnet für junge Leute aus aller Welt ist.

Rot-Licht-Viertel, Dreieck zwischen Neumarkt, Hauptbahnhof und dem Dam

 

Blühende Viertel, schwimmende Märkte

Amsterdams Charme entfaltet sich entlang der Grachten. Sie prägen das Stadtbild und sorgen für manch ungewöhnliche Entdeckung. Eine Besonderheit sind die Hausboote, die als hip gelten und Kreativen sowie jungen Familien eine Heimstatt auf dem Wasser bieten. Da flattert dann die Wäsche an Deck, Blumenkübel zeugen von einem festen Ankerplatz und am Baum davor ist das Fahrrad angeschlossen. Vor allem im ehemaligen Arbeiterviertel Jordaan, das heute mit Galerien, Restaurants und kleinen Shops eines der beliebtesten Wohnquartiere ist, reihen sich die Hausboote auf den Grachten wie Perlen auf der Kette. In Jordaan blüht und gedeiht es wie in einem Garten – daher, so meinen manche, komme auch der Namen Jordaan, nämlich von Jardin (französisch: Garten). Wem Jordaan mit den Glyzinien und leuchtenden Bougainvillea-Ranken gefällt, wird sicher auch den populären schwimmenden Blumenmarkt besuchen wollen. Jeden Tag werden an der Singel-Gracht  Blumen in verschwenderischer Auswahl angeboten, wobei sich die Verkaufsstände auf schwimmenden Pontons befinden. Eine Tradition, die aus der Zeit stammt, als die Märkte noch mit Booten beliefert wurden. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Amsterdam noch mit einer Vielzahl weiterer attraktiver Straßenmärkte lockt. Da gibt es den Albert Cuypmarkt mit einem bunt gemischten Sortiment, den Flohmarkt in den IJ-Hallen und den Noordermarkt für Leckereien von Bio-Säften über Öko-Käse bis zu selbstgebackenen Keksen.

Stadtviertel Jordaan, beginnt an der Brouwersgracht, westlich des Amsterdamer Hauptbahnhofs und umfasst die westliche Seite des Grachtengürtels zwischen der Prinsengracht und der Lijnbaansgracht bis zur Leidsegracht

Schwimmender Blumenmarkt, Singel 480, geöffnet jeden Tag

 

Schlemmen an der Prinsengracht

Wer den ganzen Tag durch Amsterdam geschlendert ist, hat sich eine Pause verdient. Doch wohin zum Dinner? Die Auswahl in Amsterdam ist riesig. Eine interessante Wahl ist das envy in der feinen Prinsengracht mit kleinen, aber sehr feinen Leckereien, die individuell zusammengestellt ein genussvolles Abendessen ergeben. Besonders lässig diniert es sich am Tresen unter spiegelnden Kugellampen. Auf keinen Fall sollte man die Starter auslassen. Vor allem das frische Brot mit Trüffelmayonnaise und der Taleggio-Käse mit Nüssen und Früchtebrot sind köstlich. Ansonsten lässt sich am besten jeder von den originellen Kompositionen auf der Karte inspirieren – die Auswahl reicht von gerösteten Jakobsmuscheln bis zu knusprigem Schweinebauch.

Envy, Prinsengracht 381, Amsterdam

http://www.envy.nl/nl

 

Von Jutta Lemcke

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