Lohnt sich eine Auslandskrankenversicherung?

von Simone Hock

In den Urlaub ohne Auslandskrankenversicherung?
Der Reise steht kurz bevor: Über eine Auslandskrankenversicherung nachgedacht?

Vor lauter Urlaubsplanung, der anschließenden Buchung und der riesigen Vorfreunde gehen essentielle Vorbereitungen wie Versicherungspolicen (Reiseabbruch, Reiseschutz etc.) gerne mal unter. Aber beispielsweise auch die Auslandskrankenversicherung darf keinesfalls unter die Bank gekehrt werden. Ob ihr so eine Police benötigt oder nicht, könnt ihr nach unserem Beitrag auf jeden Fall besser entscheiden:

Bin ich durch meine gesetzliche Krankenkasse nicht geschützt?

Gleich mal vorweg: Durch eure gesetzliche Krankenversicherung seid ihr in allen EU-Mitgliedsstaaten versichert. Ihr könnt dem Arzt einfach eure EU-Krankenversicherungskarte zeigen.

Tipp: Meistens befindet sie sich auf der Rückseite der Versicherungskarte. Ist das nicht der Fall, müsst ihr bei eurer Krankenkasse vor die Reiseantritt eine uropäische Krankenversicherungskarte besorgen.

Versichert bedeutet, dass Behandlungskosten in der Höhe erstattet werden, wie sie auch in Deutschland anfallen. Darüber hinausgehende Kosten werden nicht übernommen. Das gilt ebenso für Rechnungen von Privatärzten und –kliniken. Auch die Suche nach einem Arzt, der eure Krankenkarte akzeptiert, kann sich mühsam und abenteuerlich gestalten.

Wenn ihr im Ausland einen Arzt, Zahnarzt oder einen anderen medizinischen Dienstleister aufsucht, müsst ihr in Vorleistung treten und erst einmal aus eigener Tasche bezahlen. Die Kosten können später bei der Kasse eingereicht werden.

Länder, in denen ihr komplett oder teilweise versichert seid:

Vollversichert seid ihr bei folgenden EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien & Nordirland (bis zum Brexit), Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Slowakei, Slowenien, Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn und Zypern.

Für den Europäischen Wirtschaftsraum wurde ein Abkommen mit Island, Liechtenstein, Norwegen und derSchweiz abgeschlossen. 
Aber Achtung: Denn es gelten die Bedingungen des Gastlandes. Wer dort einen bestimmten Krankheitsfall nicht mitversichert hat,hat ebenso Pech wie ihr und muss die Kosten tragen. Deshalb am besten zuvor mit dem Gesundheitssystem des EU-Gastlandes beschäftigen.

Darüber hinaus gibt es Sozialversicherungsabkommen mit weiteren Ländern wie Israel, Tunesien und der Türkei.

Wo bin ich nicht geschützt?

Der Schutz der gesetzlichen Krankenkasse endet bei Reisen außerhalb von Europa, also beispielsweise nach Südamerika, Russland oder Japan. Es ist für euch vielleicht auf den ersten Blick nicht nachzuvollziehen, aber auch hier greift eure Krankenpolice nicht: Andorra, Britische Kanalinseln (zum Beispiel Jersey oder Guernsey), Färöer Inseln, Isle of Man, Kosovo, Monaco, Niederländische Antillen, San Marino, Svalbard (Spitzbergen, Bäreninsel),Vatikanstaat.

Besonderheit Kreuzfahrten

Jedes Kreuzfahrtschiff besitzt ein Medial Center, wo ihr beispielsweise Hilfe bei Grippe oder Schiffskrankheit erhaltet. In der Regel sind die Bordärzte Allgemeinmediziner und keine Fachspezialisten. Sollte im Ernstfall der Transport in ein Krankenhaus nötig sein, gelten die Bedingungen des jeweiligen Landes.

Kreuzfahrer müssen sowieso noch ein wenig besser aufpassen: Denn ob die gesetzliche Versicherung zahlt, hängt davon ab, in welchem Land das Schiff der Reederei registriert wurde. Hier genießt ihr den vollen Schutz:

Schiffe dieser Reedereien sind in Europa angemeldet worden
Diese Reedereien haben ihre Schiffe in der EU registriert.

Obacht: Diese Reedereien haben ihre Schiffe nicht innerhalb der EU angemeldet. Die Celestyal Cruises und die Transocean hissen beide zum Beispiel die Flagge von Malta. Bei der Flotte von Princess Cruises wehen die Streifen und Sterne der USA im Wind:
 

Nicht in Europa angemeldet und damit nicht durch die gesetzliche Krankenkasse abgesichert
Außerhalb der EU haben diese Reedereien ihre Schiffe angemeldet.

Unser Tipp: Vor Reiseantritt kann ein Anruf bei der jeweiligen Reederei nicht schaden.

Welche Vorteile bietet eine Auslandskrankenversicherung?

Worum lohnt es sich, eine zusätzliche Versicherung abzuschließen? Die Auslandskrankenversicherung übernimmt sämtliche Kosten für ambulante Behandlungen, Operationen und Röntgendiagnostik im Ausland. Aber auch Krankenhausaufenthalte und  Zahnbehandlungen sind abgedeckt. Zu letzterem gehören auch schmerzstillende Maßnahmen, Notfüllungen und Reparatur von Zahnersatz. Eine Vorauszahlung ist nicht nötig.

Einer der wichtigsten Vorteile, den euch die zusätzliche Police bietet, ist der Rücktransport. Für diesen kommen die gesetzlichen Krankenkassen nicht auf. Und der Transport kann, je nach Grad der Erkrankung, sogar in den fünf-stelligen Bereich geraten. Im Optimalfall ist auch der Transport einer Begleitperson berücksichtigt. Zusätzlich sind mögliche Bergungsmaßnahmen abgedeckt.

Generell wird unter den medizinisch notwendigen und dem sinnvollen Rücktransport unterschieden. Nötig, weil die Behandlungsmethode vor Ort nicht durchgeführt werden kann oder sinnvoll, wenn im Heimatland bessere Methoden angewandt werden können.

Sollte ein Todesfall eintreten, übernimmt die Auslandskrankenversicherung die Überführung nach Deutschland oder die Bestattung im Ausland.

Sonderfall chronische Erkrankungen

Ein schwieriges Thema bei Versicherungen sind chronische Erkrankungen. Also solche, bei denen ein Krankheitsschub sozusagen „vorhersehbar“ ist. Unter die bekanntesten Erkrankungen fallen etwa:

Wenn diese vor Reisebeginn prognostiziert wurde, tritt die Auslandskrankenversicherung nicht ein. Es handelt sich dann nicht um eine unerwartete oder akute Erkrankung.

 

Diese Krankheiten gelten als chronisch und sind nicht abgesichert

Hier empfehlen wir, sich vor der Reise mit der eigenen Krankenversicherung in Verbindung zu treten und Möglichkeiten abzusprechen.

Trotzdem macht eine Auslandsversicherung auch hier Sinn, weil die Chancen für eine unerwartete Erkrankung nach wie vor gegeben sind.

Was kostet eine Auslandsversicherung?

Es gibt zwei Optionen: die jährliche Variante und die reisebezogene Alternative. Bei einer jährlichen Absicherung sollten Einzelpersonen nicht mehr als 10 Euro ausgeben, bei Familien ist das Limit bei 30 Euro anzusetzen.

Für Kurzentschlossene und Wenig-ins-Ausland-Reiser empfiehlt es sich, die Police bis einen Tag vor Urlaubsantritt abzuschließen. Urlaubsreisen dauern selten länger als sechs Wochen, die Kosten belaufen sich hier auf ca. 60 Cent pro Person am Tag. Allerdings verlangen manche Vertragsbedingungen einen Mindestbeitrag, deshalb auf jeden Fall das Kleingedruckte lesen!

Ein Tipp: Auslandskrankenversicherung als Zusatzleistung bei Kreditkarten & Co.

Eine Versicherung für den Krankheitsfall im Ausland wird oft als Zusatzleistung bei Kreditkarten, Mitgliedschaften bei Automobilclubs oder auch Krankenzusatzversicherungen angeboten. Hier muss im Detail geprüft werden, ob beispielsweise der Rücktransport tatsächlich abgesichert ist.

Übrigens: Bei Privatversicherten gilt ähnliches.

 

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