Kreuzfahrten: Welche Rechte habt ihr bei Ausfall oder Verspätung?

von Simone Hock

Welche Rechte bei Ausfall oder Verzögerung der Schifffahrt?
Entschädigungsansprüche bei Ausfall oder Verspätung der Kreuzfahrt.

Seit Ende 2012 unterstützt die EU-Verordnung Nr. 177/2010 die Rechte der Passagiere auf Schifffahrten. Sie gilt europaweit in jedem Mitgliedstaat der Europäischen Union und unterscheidet nicht zwischen Hochsee- oder Flussfahrt. Wichtig ist nur, dass eure Reise innerhalb der EU startet oder endet. Darüber hinaus wird euer Recht durch diese Regelung zum Beispiel auch für Reisen zu den Kanarischen Inseln, nach Madeira und den Azoren gesichert.

Es dreht sich vor allem um das Thema Ausfall oder Verspätungen bei Kreuzfahrtreisen.
 

Was wenn sich die Abfahrt verspätet oder das Schiff ausfällt?

Sollte eure Schiffsreise tatsächlich nicht stattfinden oder sich die Abfahrt um mehr als 90 Minuten verzögern, müsst ihr spätestens nach einer halben Stunde nachdem eigentlichen geplantem Start von der Reederei oder dem Veranstalter informiert werden. Vor allem über die voraussichtliche neue Abfahrtszeit.

Dann habt ihr folgende Möglichkeiten:

  • Eine alternative Beförderung zum Endziel eurer Reise zum frühestmöglichen Zeitpunkt ohne Preisaufschlag
  • Eine Fahrpreis-Erstattung und falls nötig eine zeitnahe und vor allem kostenlose Rückfahrt zum Abfahrtsort

Darüber hinaus sollte eine Versorgung mit Erfrischungen, Mahlzeiten und Snacks gewährleistet sein – je nach Dauer der Verzögerung. Falls es tatsächlich nötig wird, muss der Reiseanbieter euch bis zu drei Übernachtungen im Wert von bis zu 80€ pro Nacht erstatten.

Unser Tipp: Falls keine entsprechende Betreuung stattfindet, hebt Rechnungen für Getränke sowie Mahlzeiten und vor allem Hotelrechnungen auf.
 

Und wenn das Schiff zu spät am Endziel ankommt?

Hier ist ganz genau getaktet, was ihr wann einfordern könnt. Anspruch auf mindestens 25% Entschädigung habt ihr bei der Reederei bei einer Verspätung von mehr als:
  

Verspätung

Planmäßige Fahrdauer

1 Stunde

1 - 4 Stunden

2 Stunden

4 - 8 Stunden

3 Stunden

8 - 24 Stunden

6 Stunden

Mehr als 24 Stunden


Sollte sich die Verspätung je Zeitfenster verdoppeln, dann können mindestens 50% des Fahrpreises als Entschädigung eingefordert werden.
 

Keine Benachteiligung von behinderten Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität

Generell haben behinderte oder beeinträchtigte Fahrgäste das gleiche Recht auf Buchung und Ausstellung des Fahrpreises wie alle anderen. Und zwar ohne Aufpreis!

Wenn das gewünschte Schiff durch seine Bauart oder Sicherheitsanforderungen für euch nicht in Frage kommt, muss sich der Reiseanbieter um eine passende Alternative für euch bemühen.

Am Hafenterminal und auch an Bord muss euch individuelle Hilfe geleistet werden. Falls es zu Schäden an euren Geräten oder Hilfsmitteln kommt, wird eine finanzielle Entschädigung fällig. Allerdings nur, wenn die Beschädigung durch die Reederei stattgefunden hat.

Unbedingt beachten: Schon bei der Buchung müssen spezifische Bedürfnisse (benötigte Dienstleistungen, Sitzgelegenheiten, Unterbringung oder die Mitnahme von medizinischen Geräten) der Reederei mitgeteilt werden.
 

Und wenn mein Gepäck nicht ankommt? Oder wenn ich mich verletzte?

Über die Verordnung (EG)Nr. 392/2009 wird die Unfallhaftung geklärt. So habt ihr unter anderem einen Anspruch auf Entschädigung, falls das Reisegepäck beschädigt wird, verloren geht oder zu spät ausgehändigt wird.

In jedem Fall haftbar sind Personenschäden. Verletzungen oder sogar der Tod eines Passagiers, wenn eine falsche Handlung seitens der Reederei oder ein Schifffahrtereignis (z.B. Schiffskollision) nachweisbar sind.
 

Wo und bis wann müssen die Rechte angemeldet werden?

Die Entschädigungsansprüche können sowohl an die Reederei als auch an den Reiseveranstalter gerichtet werden. Das muss innerhalb von zwei Monaten nach der geplanten oder durchgeführten Reise passieren. Schaden kann es allerdings nicht, die Ansprüche bei beiden Unternehmen zu melden. Eine doppelte Entschädigung ist leider trotzdem nicht drin. ;-)

Info: Sollte eure Beschwerde von der Reederei abgewiesen werden, könnt ihr euch an das Eisenbahn-Bundesamt werden. Klingt zwar komisch, aber dort wurde eine Durchsetzungsstelle für Schifffahrt-Fahrgastrechte eingerichtet.
 

Wann muss die Reederei keine Entschädigung zahlen?

Auch diesen Fall kann es geben, nämlich bei Handlungen Dritter, höherer Gewalt wie Naturkatastrophen oder sicherheitsgefährdenden Witterungsverhältnissen. Kann einer der Fälle nachgewiesen werden, ist eine Forderung nach Entschädigung zwecklos weil unverschuldet.
 

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