Schiffstaufe: Aufgaben eines Paten

von Simone Hock

Schlagerstar Helene Fischer bei der Tauffeier der Mein Schiff 3.
Taufpatin Helene Fischer bei der Einweihung der Mein Schiff 3.

Die Taufe eines Kreuzfahrtschiffes ist mittlerweile ein richtiges Event geworden. Neben dem Geschäftsführer, dem Werftbesitzer, Freunden und Familie tummeln sich auch die Prominenz und die Presse gerne zu den Gelegenheiten. Eine Marketingaktion wie aus dem Bilderbuch. Viele bunte Ballons, Konfetti, eigens kreierte Darbietungen, Sängerinnen und Bands sorgen für eine festliche Stimmung. Üppige Buffets oder ganze Menüfolgen halten zusammen mit reichlich Champagner die Gäste der Taufe bei bester Laune. Zum krönenden Abschluss gibt es ein farbenfrohes Feuerwerk.

Bekannte Gesichter wie Lena Gerke, Emma Schweiger und Heidi Klum sind Taufpatinnen der AIDA-Kussmundflotte. Bei MSC Kreuzfahrten ist Sophia Loren seit Jahren dafür zuständig, die neuen Kreuzfahrtriesen einzuweihen. TUI Cruises hat sich die Titularorganistin der Elbphilharmonie, die Lettin Iveta Apkalna, als Schirmherrin geschnappt. Helene Fischer hat sogar eine eigene Suite auf der Mein Schiff 3 als Patin einrichten dürfen.

Von Zeit zu Zeit ist auch der Adel bei der Taufe anwesend. So wie beispielsweise Herzogin Kate bei der Einweihung der Royal Princess. Für das Luxusschiff Queen Elizabeth von Cunard Line gab sich die Queen selbst die Ehre. Bei royaler Unterstützung werden die Feste noch ein wenig ausschweifender und patriotischer gestaltet.

 

Warum werden Kreuzfahrtschiffe überhaupt getauft?

Dem ein oder anderen ist es vielleicht schon aufgefallen: Männliche Paten sucht man meist vergeblich. Das ist nur einer der vielen Aberglauben, um die sich die Geschichte der Schiffssegnung rankt.

Allein dass die Schiffe überhaupt eine Taufe erhalten, ist schon eine reine Sicherheitsmaßnahme. Die alte Tradition gibt es etwa seit dem 4. Jahrhundert vor Christus. Abgeguckt von der kirchlichen Taufe soll die Weihung das Schiff samt Besatzung vor Seeungeheuern, schwimmenden Eisbergen, Stürmen und dem plötzlichen Ende der scheibenförmigen Erde bewahren. Obwohl Technik und Entwicklung längst weiter sind, bleibt die Taufe ein fester Bestandteil im Programmheft der Reedereien.

 

Herzogin Kate bei der Taufe der Royal Princess
Herzogin Kate bei der Taufe ihres Patenschiffes Royal Princess.

Wie läuft eine Schiffstaufe ab?

Die Feier findet im Heimathafen des Schiffes statt. Die Patin hält eine kleine Rede, wichtig ist dabei nur, dass sie die drei folgenden Schlüsselformulierungen darin einfädelt:

  1. „Ich taufe dich auf den Namen …“
  2. „Ich wünsche der Besatzung allzeit gute Fahrt und dir immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“
  3. „Ich grüße dich mit einem dreimaligen Hipp-Hipp-Hipp-Hurra!

Das Zerschellen einer Champagner- oder Sektflasche darf dabei nicht fehlen. Die ist meistens an einem Seil befestigt und in manchen Fällen sogar präpariert. Wozu das gut sein soll? Ganz einfach: Camilla Parker Bowles versuchte bei der Taufe der Queen Victoria der Cunard Line vergeblich, die Flasche zum Zersplittern zu bringen. Auch das gilt als schlechtes Omen. Ob die Herzogin von Cornwall damit tatsächlich Schuld daran hat, dass sich drei Wochen später zahlreiche Passagiere auf dem Schiff eine Infektion einfingen?

Um zu vermeiden, dass ein solches Missgeschick passiert, wird der Hals der Flasche zuvor leicht angesägt. Aber Vorsicht: Selbst wenn die Flasche in Scherben zerspringt, der Korken muss im Hals der Champagnerflasche stecken bleiben. Sonst ist die Taufe nicht gültig.

 

Taufrituale in anderen Ländern

Was bei uns der Champagner ist, ist bei den Schotten der Whisky. Folgerichtig werden die Schiffe dort auch mit der bernsteinfarbenen Flüssigkeit getauft.

In Afrika darf zuerst die Taufpatin einen Schluck vom Palmwein genießen, bevor sie die Bordwand fünf Mal mit dem guten Getränk bespritzt.

Die Brasilianer lieben es nun mal laut und bunt: das Schiff wird in Südamerika mit einer Konfettikanone beschossen.  

 

Lena Gercke bei der Schiffstaufe.
Lena Gercke bei der Taufe der AIDAperla

Wer kommt als Taufpate in Frage?

Bevor es darum geht, welche Stars und Sternchen gerade Gesprächsthema sind, müssen erst einmal ein paar Voraussetzungen erfüllt werden:

Männer gelten in der maritimen Welt als Unglücksbringer, es darf nur eine Frau sein. Aber es wird noch interessanter: Die Dame darf nicht von Natur aus rothaarig sein. Ein grünes Kleid tragen, das darf sie auch nicht. Übrigens sollte das keiner der anwesenden Gäste der Taufe. Denn Rot und Grün, das sind die Farben der Klabautermänner. Vor denen fürchtete man sich bei der Schifffahrt besonders, daher sollten sie nicht auch noch angelockt werden.

Frankreich ist besonders streng, denn Schwangere scheiden als Taufpaten ebenfalls aus.

 

Unbekannte Taufpaten als neuer Trend

Einige Reedereien haben damit begonnen, Patinnen für ihre Schiffe auszuwählen, die der breiten Öffentlichkeit in der Regel nicht bekannt sind:

Dazu gehört beispielsweise Lindsey Wilkerson, sie durfte 2011 die Carnival Magic einweihen. Als Kind erkrankte sie an Krebs und wurde im St. Judes Children’s Research Hospital behandelt. Die Klinik wird von der von Carnival Cruise Line mit Spenden gefördert. Am Tag der Taufe erhielt das Krankenhaus im Namen von Lindsey eine Spende von 50.000 Dollar.

Die Patin der AIDAsol setzte sich in einem Casting durch, an dem alle weiblichen AIDA-Fans teilnehmen konnten. Zum Schluss wurde die Ehre der 41-jährigen Bettina Zwickler zu Teil. Eine Kapitänstochter und Reiseverkehrsfrau aus Kiel.

Die meisten Taufpaten hat allerdings mit Abstand die Seabourn Odyssey. Die Reederei Seabourn machte kurzerhand alle 450 Passagiere der Jungfernfahrt zu gleichen Teilen zum Paten beziehungsweise zur Patin. Sogar die Herren, die ja sonst kategorisch ausgeschlossen werden.

 

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